"Armut in Deutschland" ist zu einem Dauerbrenner in Politik und Medien geworden. In Talkshows wird über die Angst der Menschen vor sozialem Abstieg debattiert, über die Folgen von Hartz IV und den Zerfall der Mittelschicht. Doch obwohl man heute viel über soziale Ungleichheit spricht, so der Befund von Christoph Butterwegge, nimmt man sie nach wie vor nicht als gesellschaftliches Kardinalproblem ernst. Die in der wohlhabenden Bundesrepublik zunehmende Armut wird deshalb auch nicht konsequent bekämpft, sondern immer noch geleugnet, verharmlost und "ideologisch entsorgt". Wie das geschieht, zeigt der Verfasser in einem historischen Abriss seit der Nachkriegszeit bis heute und an zahlreichen Beispielen aus Politik, Massenmedien und Wissenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2009
Dass Armut viele Facetten hat und sich einer eindeutigen Definition widersetzt, erfährt Rudolf Walther einmal mehr aus dieser, wie er findet, analytisch klaren und von präzisen politischen Urteilen geprägten Studie des Sozialwissenschaftlers Christoph Butterwegge. Die Erkenntnis der Relativität von Armut, das Wissen, dass Armut nicht in Geld allein messbar ist, legt ihm der Autor "überzeugend" dar. Ebenso den Wandel des politischen Verständnisses von Armut. Ein Buch, meint Walther, an dem niemand vorbeikommt, der sich umfassend über das Thema informieren möchte.
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