Die deutsche Verbrechen in Litauen aus der Perspektive der Besatzer, der Bevölkerung und der Opfer. In Litauen verloren mindestens 420.000 Menschen als Folge der deutschen Besatzungspolitik zwischen 1941 und 1944 ihr Leben. Sie wurden von Deutschen und litauischen Helfern ermordet. Christoph Dieckmann analysiert die Prozesse in Politik und Wirtschaft im besetzten Litauen und nimmt auch die nationale Vorgeschichte in den Blick. Auf der Basis deutscher, litauischer und jüdischer Quellen analysiert er im ersten Band die deutsche Besatzungspolitik und ihre Massenverbrechen im Kontext der deutschen Kriegführung und stellt die unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Gruppen dar.Im Mittelpunkt dieser multiperspektivischen Erzählung der Shoah steht die vor allem im zweiten Band behandelte jüdische Opferperspektive. Dieckmann bezieht in seiner Darstellung das bisher weitgehend unbekannte Geschehen in der litauischen Provinz und den zahlreichen Ghettos und Arbeitslagern ein. Er rekonstruiert auch das Schicksal anderer Opfergruppen anhand deutscher und sowjetischer Quellen. Ein eigenens Kapitel ist der Geschichte der vielfältigen Widerstandsgruppen von Juden, Litauern, Polen und sowjetischen Partisanen gewidmet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2012
Fülle des Materials oder Breitenwirkung? Laut Christoph Kleßmann hätte sich der Autor besser für eine straffere, konzentriertere Fassung seiner im doppelten Sinn historischen Arbeit entscheiden sollen. So stark der Eindruck ist, den die beiden voluminösen Bände auf Kleßmann machen, schon weil es bisher keine ausführliche Untersuchung zur Rolle Litauens in der nationalsozialistischen Judenvernichtung in Osteuropa gab, so sehr scheint ihn das Werk durch seine schiere Dimension auch an Grenzen zu führen. Das Wie der Massenvernichtung, die verschiedenen Dimensionen und Perspektiven (deutsch, litauisch, jüdisch) der Besatzung, auch von der Peripherie her, sowie die Beteiligung regionaler und lokaler Kräfte, kann Christoph Dieckmann dem Rezensenten auseinandersetzen. Vor allem die detaillierten und wohl differenzierenden Ausführungen des Autors zur Rollenverteilung bei der Ermordung fast der gesamten jüdischen Bevölkerung erscheinen Kleßmann brisant und dramatisch und in ihrer grausamen Faktizität nur schwer zu ertragen. Für das breite Publikum hält der Rezensent die Arbeit trotz allem für zu umfangreich.
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