Christoph Geiser

Meine Dienstverweigerung

POLITISCHE UND ÄSTHETISCHE SCHRIFTEN
Cover: Meine Dienstverweigerung
Secession Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783966390804
Gebunden, 300 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Philipp Theisohn. Band 12 der Werkausgabe führt zwei grundsätzliche Dispositionen des Schriftstellers und Intellektuellen Christoph Geiser erstmals in einer umfassenden Auswahl zusammen: die des homo politicus, der früh als rebellischer linker Autor eine littérature engagée verficht und im Epochenjahr 1968 debütiert, sich in seiner frühen Prosa und Lyrik in der Tradition Bertolt Brechts sieht, für die kommunistische Parteizeitschrift Vorwärtsals Kulturredakteur tätig ist und infolge seiner Militärdienstverweigerung 1970 drei Monate ins Gefängnis geht - und die des poeta doctus mit persönlicher "Ästhetik des Widerstands", Schöpfer eines beeindruckenden, mehr als fünf Jahrzehnte umfassenden Erzählwerks und einer Vielzahl programmatischer Reden und poetologischer Schriften. Diese zeichnen entlang diverser politischer und gesellschaftlicher Zäsuren den Weg "vom Promeneur zum Parleur" nach, beleuchten Geisers Position als Außenseiter und Grenzgänger oder reflektieren seine Faszination für das Museum und die bildende Kunst. Dem radikalen Postulat seiner Lions-Preisrede von 1983 ist der Wahl-Berner und -Berliner dabei bis heute treu geblieben: "Sprechen aber heißt in jedem Falle Grenzen verletzen, Mauern einrennen, Angst überwinden. Immer stärker spüre ich, dass mein eigentliches Thema der Vorgang dieser Grenzverletzungen oder [...] des permanenten Tabubruchs ist." Der Band versammelt Geisers wichtigste politische Schriften und Schweiz-Texte, seine ästhetischen Schriften und Reden, sowie eine Auswahl an Rezensionen, Miszellen und Interviews.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.03.2024

Gegen die Schweiz, sein Heimatland, schreibt Christoph Geiser auch an, so Rezensentin Angela Gutzeit, in diesem neuen, den ästhetischen Schriften gewidmeten Band der Werkausgabe rücken jedoch andere Formen der Radikalisierung ins Zentrum. Ästhetische eben, die, wie Gutzeit darstellt, in engem Zusammenhang stehen mit Geisers Homosexualität. Diese wird, von einem Erweckungserlebnis in Bern ausgehend, zur zentralen Triebfeder des Schreibens des Autors, wichtige Einflüsse entstammen dabei laut Gutzeit auch der Kunst (Munch, Caravaggio) sowie der Literatur (Bataille, de Sade). Es geht also, erfahren wir, um eine Grenzen sprengende, aggressive, teils auch autoaggressive Form von Sexualität, die die geläufigen literarischen Formen zersetzt. Ganz neu ist dieser Ansatz im Kontext der Postmoderne nicht, meint die Rezensentin, die gleichwohl sehr angetan davon ist, wie schwules Begehren dieses herrschaftskritische Schreiben prägt.

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