Geboren im Kaiserreich und gestorben in der Bunderepublik: Bernhard Heinrich Lankenau hat die Dramatik des 20. Jahrhunderts miterlebt. Diese Dramatik, sein Polizeiberuf und die Weltkriege führten den Lehrersohn aus protestantischen und einfachen Oldenburger Verhältnissen bis an die Schaltstellen des Dritten Reiches. Hitler stand er in München gegenüber, Himmler traf er in Münster, wo er die Ordnungspolizei für den Weltanschauungskrieg organisierte. In den besetzten Niederlanden unterstanden ihm die Polizeibataillone, die Deportationen und Razzien durchführten, direkt.
Aber er war kein "Direkttäter", ihm ist keine unmittelbare Beteiligung an Gewalttaten nachzuweisen. Lankenaus Platz war vor allem der Schreibtisch: Hier entwarf er neue Strukturen für die Polizei und beschäftigte sich mit der Geschichte seines Berufsstandes. Als promovierter Historiker trug er so nach 1945 zur Legendenbildung der "sauberen Polizei" bei. Er produzierte eine Tradition, die allerdings einen Teil der historischen Wahrheit verdrängte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2016
Christian Hartmann sieht einen großen Verdienst in der Studie von Christoph Spieker, der sich der Biografie des ehemaligen Polizisten und späteren SS-Gruppenführers Heinrich Lankenau widmet. Die Karriere Lankenaus und seine schwer zu durchleuchtende Verstrickung in die Gräueltaten der Nazis in Münster, später in Den Haag kann der Autor dem Rezensenten minutiös anhand von Dokumenten und Fotos rekonstruieren. Ein besseres Lektorat hätte der Rezensent dem Buch gewünscht und mehr analytische Schärfe bei der Hinterfragung individueller Motive dieses klassischen Schreibtischtäters, der nach dem Krieg wieder zum braven Bürger mutierte, wie Hartmann schreibt.
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