Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Millionen Zwangsarbeiter aus Ost- und Südosteuropa für die deutsche Kriegswirtschaft. Praxis und Ausmaß der Zwangsrekrutierungen führten zur Destabilisierung der unterworfenen Gesellschaften und ließen gerade die Arbeitsverwaltungen in diesen Ländern zu den am meisten verhassten Repräsentanten der Besatzungsherrschaft werden. In drei Studien zum Warthegau, dem Generalgouvernement und zu dem deutschen Militärverwaltungsgebiet Serbien werden erstmals das System der Zwangsrekrutierungen und die Rolle der am Verfolgungsprozess beteiligten staatlichen Stellen eingehend untersucht. Ein Vergleich zwischen den drei Regionen kommt zu dem Schluss, dass sich die Arbeitskräftepolitik im Verlauf des Krieges immer stärker am Primat der kurzfristigen wirtschaftlichen Mobilisierung der Besatzungsgebiete orientierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2014
Nicht gänzlich zufrieden ist Lars Lüdicke mit der vergleichenden Studie von Florian Dierl, Zoran Janjetović und Karsten Linne zur Zwangsarbeit im "Dritten Reich" und ihren regional unterschiedlichen Zielsetzungen und Praktiken. Die auf breiten Archivstudien basierende Arbeit verdeutlicht dem Rezensenten zwar, dass der Radikalisierungsprozess nicht linear und die Kompetenzen im Zusammenhang mit der organisierten Zwangsarbeit alles andere als klar waren, allerdings erscheint Lüdicke die Untersuchungsebene allzu kleinteilig und zu wenig kontexualisiert. Die Bedeutung der hier in den Blick genommenen besetzten Gebiete für die Kriegswirtschaft etwa wird für ihn nicht deutlich genug herausgearbeitet. Daran, dass der Band eine Forschungslücke schließt, zweifelt Lüdicke jedoch nicht.
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