Was gut ist und was böse
Thomas Mann als politischer Aktivist

Propyläen Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783549100851
Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Der politische Thomas Mann wurde uns bislang vor allem am Schreibtisch gezeigt, als distanzierter Beobachter des Weltgeschehens. In diesem Bild aber fehlt ein wesentlicher Aspekt: der demokratische Aktivist.Kai Sina beschreibt den Autor in seinem Handeln, in seinem Tun. Wir erleben einen Menschen, der sich für das moralisch Richtige einsetzt, der für seine Überzeugung streitet und dabei vor den Risiken der Fehlbarkeit nicht zurückschreckt. Sein Beispiel ermutigt, aus dem Zustand des bloßen Erleidens von Politik herauszutreten und sie - im Kleinen wie im Großen - selbst in die Hand zu nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.02.2025
Mit Blick auf die aktuellen politischen Verhältnisse wundert sich Rezensent Jan Pfaff nicht, dass sich viele neu erscheinende Publikationen der politischen Seite des Schriftstellers widmen, so auch die Schrift des Münsteraner Germanistikprofessors Kai Sina. Vom konservativen Kaisertumverfechter zum überzeugten Demokraten vollzieht Sina die Entwicklung Manns nach, von den "Betrachtungen eines Unpolitischen", die für Pfaff deutlich rechts stehen, über die "Lectures" zur Aufklärung der amerikanischen Gesellschaft bis zu den BBC-Radioansprachen "Deutsche Hörer." Einen weiteren Schwerpunkt neben dem antifaschistischen Engagement bildet Manns Unterstützung der zionistischen Bewegung, erfahren wir. Für den Kritiker ein gelungener, konziser Einstieg in das Thema, wie er schließt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2025
Thomas Manns Rolle als politischer Aktivist vermag Kai Sina in seinem Buch nur unzureichend zu beleuchten, findet Rezensent Jakob Hessing. Die Familienverhältnisse (Manns Schwiegervater war Jude) bleiben laut Hessing allzu vage umrissen. Hessing hätte gern mehr darüber gelesen, wie Mann zwischen der liberalen Familie Pringsheim und seinen eigenen Anschauungen vermittelte. In anderen Fällen, so bei den "Betrachtungen eines Unpolitischen", vereinfacht Sina die Verhältnisse, die vielen (politischen) Zweideutigkeiten im Leben und im Werk Manns deutet er nur an, meint Hessing. Anders, wenn es um Mann in Amerika geht. Hier zeigt sich Mann als eindeutiger Gegner des Dritten Reichs und hier erreicht auch Sina "festen Boden", so der Rezensent. Was die Geschichte des Zionismus betrifft, verliert Sina ihn leider wieder, bedauert Hessing.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.12.2024
In einem "brillanten Essay" folgt der Literaturwissenschaftler Kai Sina Thomas Mann als "homo politicus", lobt Rezensent Wilhelm von Sternburg. Nicht unbedingt komplett Neues, aber viel Übersehenes findet Sternburg hier über das politische Engagement Thomas Manns vor. Sina zeichnet den Schriftsteller nicht als den elitären Denker, als der er oft wahrgenommen wurde, sondern als klugen und "wachen Beobachter" seiner Zeit, so der Rezensent. Ein Fokus liegt beispielsweise auf Manns Haltung zum Zionismus, dem er durchaus positiv gegenüberstand sowie er auch die Gründung eines jüdischen Staates befürwortete, den Antisemitismus seiner Landsleute hingegen als großes Übel ansah. Im Exil wird Mann dann zu einer "Galionsfigur" unter den Intellektuellen, die sich gegen die Nationalsozialisten wendeten - dem häufigen Vorwurf, er habe sich nicht explizit zur Machtübergabe an Hitler geäußert, hält Sina Manns 1933 erschienene Erzählung "Geschichten Jaacobs" entgegen - eine "literarische Antwort" auf die Ereignisse in Deutschland, wie Sternburg abschließend erklärt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.11.2024
Eine materialreiche Studie legt Kai Sina hier vor, freut sich Rezensent Gustav Seibt, die, wiewohl durchaus viel bearbeitetes Terrain ein weiteres Mal beackernd, durchaus auf neue Erkenntnisse stößt. Es geht um Thomas Manns politischen Aktivismus, erfahren wir, der sich unter anderem in seinen Stellungnahmen gegen die NSDAP während des Aufstiegs, später auch in den Ansprachen an die deutsche Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs niederschlug, die bis heute irritieren können, wenn er etwa die Bombardierung Lübecks gutheißt. Gerade Manns Skepsis gegenüber engagierter Kunst führte dazu, dass er seine politischen Interventionen geschickt und medienbewusst plante, liest Seibt. So war Mann etwa die Wirkung seiner Stimme bewusst, er arbeitete kontinuierlich an der dramatischen Qualität seiner Auftritte, studierte zu diesem Zweck etwa auch Roosevelts Öffentlichkeitsarbeit. Nicht zuletzt ist dieses Buch wichtig, weil es Mann als einen Verfechter des Zionismus vorstellt. Seit 1943, als er über die Ausmaße der Shoah im Bilde war, kämpfte Mann laut Sina, für eine jüdische Heimstatt in Israel, ohne dabei die Rechte der arabischen Bewohner der Gegend auszublenden, erfährt Seibt. Insgesamt bespricht der Rezensent ein reichhaltiges Buch, das ein neues Licht auf den vielseitigen Protagonisten wirft.