Der Balkan ist die Region in Europa mit den meisten ethnischen, konfessionellen und sprachlichen Minderheiten. Seien es die Torbeschen im Südwesten Mazedoniens, die zum Islam konvertierten Pomaken in Nordgriechenland oder die christlichen Aromunen - wie kaum ein anderer kennt sie Cyrill Stieger, langjähriger Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung. Er hat mit Nachkommen der Vlachen in Istrien gesprochen und sich mit Vertretern der Goranci im albanisch-mazedonischen Grenzgebiet unterhalten, und er fand auf seiner Reise durch Mittel- und Osteuropa eine faszinierende, aber vom Verschwinden bedrohte Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017
Rezensent Michael Martens lernt bei Cyrill Stieger eine Menge über Identitäten, nationale und konfessionelle Selbstwahrnehmung und ihren Wandel. Dass der Autor sich vor allem für Minderheiten auf dem Balkan interessiert, für Pomaken, Istrorumänen und Uskoken, erweitert klar den Wissenshorizont des Rezensenten, zumal es laut Martens immer auch allgemein darum geht, wie Identitäten erfunden, manipuliert und instrumentalisiert werden. Obwohl der Autor für seine Forschungen noch die abgelegensten Ecken des Balkans bereist, um dort mit den letzten Vertretern der Torbeschen zu sprechen, ist der Ton nicht nostalgisch, versichert Martens. Das Buch bietet ihm Einsichten in das Funktionieren von Gesellschaften.
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