Gibt es das Zuviel an Wachstum nur an bestimmten Orten?Um das Jahr 1800 lebten etwa eine Milliarde Menschen auf der Erde. Heute sind es mehr als acht Milliarden. Begleitet wurde dieses Wachstum immer wieder von Mahnungen, die letztlich auf den Ökonomen Thomas Malthus zurückgehen: Zu viele Menschen bedeuten Hunger, ökologische und gesellschaftliche Krisen.Dana Schmalz zeigt, wie mit dem "Bevölkerungsargument" Politik gemacht wird: Ein Zuviel an Wachstum gibt es immer nur anderswo, im globalen Süden oder in marginalisierten Milieus. Regierungen nutzen das Argument, um reproduktive Rechte einzuschränken; rassistische Vorstellungen leiten nach wie vor die Entwicklungspolitik. Und neuerdings verweisen antifeministische Gruppierungen auf Geburtenraten, um ihre Verschwörungsideologien diskursfähig zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2025
Rezensent Victor Loxen hält das Buch der Migrationsrechtlerin Dana Schmalz für einen willkommenen Kontrapunkt gegen den "Demographismus". Auch wenn Loxen die essayistische Form nicht gefällt, weil ihm der Gegenstand viel zu vielschichtig erscheint, möchte er den Band empfehlen. Halb ideengeschichtlich und wirtschaftshistorisch, halb normativ befasst sich die Autorin hier kritisch mit der ewigen Wiederkehr des "Bevölkerungsarguments" in allen möglichen Kontexten, wie Migration und Wohlstand, so Loxen, und macht diverse Blickverengungen erkennbar.
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