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Daniel Anselme

Adieu Paris

Roman
Cover: Adieu Paris
Arche Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783716027196
Gebunden, 208 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Julia Schoch. Paris, Anfang der 50er Jahre - im Strom der Passanten auf der Rue de Rivoli küsst sich ein junges Paar. Diese Szene wird zu einer der berühmtesten Fotografien des 20. Jahrhunderts und weltweit Symbol für die Stadt der Liebe. Nur wenig später beginnt im besetzten Algerien ein Krieg, in dem die Grande Nation bis 1962 eine ganze Generation junger Männer verheizt. In "Adieu Paris" kehren drei Soldaten über Weihnachten aus diesem Krieg für ein paar Tage auf Urlaub nach Paris zurück. Zunächst geht jeder seiner Wege, doch schon bald sind sie wieder vereint. Mit Familie und Freunden können sie das Erlebte nicht teilen, fremd und fern erscheint ihnen die eigene Stadt. In den Cafés am berühmten Rive Gauche schlagen sie sich die Nächte um die Ohren, suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, dem Schicksal des Krieges zu entgehen - und fügen sich am Ende doch, da niemand von ihrer Bedrängnis Notiz nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.01.2016

Rezensentin Cornelia Geissler betont die ungebrochene Aktualität des Antikriegsromans von Daniel Anselme, der zur Zeit des Algerienkrieges spielt und von den Leiden dreier Kriegsurlauber im sorglosen Paris berichtet. Auch wenn Krieghandlungen im Buch nicht vorkommen, sind sie für die Rezensentin präsent, weil sie die Seelen der Protagonisten beeinträchtigen und ihre Stimmung beeinflussen. Den jeweils unterschiedlichen Umgang damit schildert der Autor laut Rezensentin mitunter kammerspielartig, aber immer kraftvoll, atmosphärisch stark und mitreißend, schreibt sie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2015

Rezensentin Maike Albath staunt über die feine Analyse des Krieges und seiner Kosten von Daniel Anselme. Anno 1957 nicht eben ein Rezept für Erfolg, meint sie und freut sich umos mehr, dass der Roman nun über den Umweg über England ins Deutsche gekommen ist. Düster ist die Stimmung der drei Hauptfiguren, düster erscheint auch das Paris, so Albath, vor dem Anselme seine Figuren ihre unbequemen Überlegungen zu Algerien anstellen lässt. Mehr über den Hintergrund des Buches und seinen Autor erfährt die Rezensentin im Nachwort. Auch wenn die Erzählweise sie nicht vom Stuhl haut, findet sie einzelne Szenen doch stark und lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.11.2015

Dass Daniel Anselmes 1957 erschienener Roman über den Algerienkrieg heute, 53 Jahre nach Ende des Konflikts, in Frankreich nicht erhältlich ist, wundert den Rezensenten Tobias Lehmkuhl nicht nur, es empört ihn geradezu. Seines Erachtens müsste das Buch längst als Klassiker gelten, und so freut sich der Kritiker über die deutsche Übersetzung durch den Arche Verlag - wenn auch der Titel "Adieu Paris" irreführend sei. Es geht im Roman um drei Militärs auf Fronturlaub in der französischen Hauptstadt, das Ergebnis sei kein melancholisches, sondern ein "wütendes" Buch über die Qualen, andere Menschen sterben zu sehen. Lehmkuhl hält Anselme für einen "begnadeten, sehr französischen Erzähler" und schätzt dessen "flaneurhafte, die dunklen Seiten von Paris durchstreifende Erzählweise", die den Rezensenten an Georges Simenon und Patrick Modiano erinnert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Zu Unrecht ist Daniel Anselmes im Original 1957 erschienener Roman "Adieu Paris" heute fast vergessen, meint Rezensent Joseph Hanimann und freut sich entsprechend über die deutsche Neuauflage. Der Roman beleuchtet nicht nur den Algerienkrieg auf vielschichtige Weise, sondern führt in eindringlichen, filmischen Schwarz-Weiß Sequenzen durch das Paris der Fünfziger Jahre zwischen wiedergefundener Normalität, neuem Selbstbewusstsein, Konsum-Euphorie und dem Willen, den Erinnerungen des Zweiten Weltkriegs zu entrinnen, informiert der Kritiker. Er folgt hier drei Kriegsheimkehrern, die mit Frauenaffären, kommunistischer Begeisterung und Streifzügen durch das Pariser Nachtleben gegen die allgemeine Gleichgültigkeit für ihre Schicksale protestieren. Allerdings muss Hanimann gestehen, dass trotz Anselmes ausgezeichneter Beschreibungskunst die Spannung ein wenig zu kurz kommt. Darüber hinaus erscheint ihm Julia Schochs Übersetzung bisweilen zu "aufgekratzt".
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