Maryse Conde

Das ungeschminkte Leben

Autobiografie
Cover: Das ungeschminkte Leben
Luchterhand Literaturverlag, München 2020
ISBN 9783630876337
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Beate Thill. "Ich blickte hinauf zum sternenübersäten Himmel und wünschte mir leidenschaftlich ein neues Leben." Maryse Condé wird als jüngstes von acht Kindern auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe geboren und gilt heute als "Grande Dame der frankophonen Literatur" (BR2). In ihrer Autobiografie lässt sie ihre frühen Lebensjahre wiederaufleben. Die Zeit als junge Studentin im Paris der 1950er-Jahre, als alleinerziehende, mittellose Mutter, die wagemutig nach Westafrika geht und als Lehrerin miterlebt, wie der Kontinent von politischen Auseinandersetzungen erschüttert wird. Maryse Condé schildert ein Leben fernab der üblichen Pfade und zeichnet das Bild einer unerschrockenen Frau, die die gesellschaftlichen und politischen Widersprüche ihrer Zeit erkannte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2020

Rezensent Joseph Hanimann zählt Maryse Condé zu den bekanntesten Stimmen der Karibik. Condés im Original bereits 2012 erschienene Autobiografie liest Hanimann allerdings mit verhaltener Freude. Die Jahre, in denen die Autorin sich in Afrika auf die Suche nach ihren Wurzeln begab und die laut Hanimann das Zentrum des Buches ausmachen, beschreibt Condé zwar seiner Meinung nach nah am politischen Geschehen der 60er Jahre in Guinea und an der Elfenbeinküste, das Aufgeschriebene aber lässt Hintergründe vermissen und bleibt eher im Anekdotischen und Selbstgefälligen, stellt Hanimann bedauernd fest.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2020

Rezensentin Angela Schader liest Maryse Condés Erinnerungen an ihre jungen Jahre mit tiefer Wertschätzung für die große Schriftstellerin, die sie mit dem reichen Erfahrungsschatz eines Lebens in Guadeloupe, Frankreich und etlichen afrikanischen Ländern geworden ist. Sie verfolgt ihren Lebensweg aber auch mit einem gewissen Erschrecken darüber, wie orientierungslos Condé als junge Frau war, in was für fragwürdige Männerbeziehung sie sich stürzte, wie politisch heikel sie agierte und was sie ihren vier Kindern aus persönlichem Geltungsbedürfnis zumutete. Dass Condé davon offen erzählt, erkennt die Rezensentin an, die das Buch aber vor allem als spannenden Bericht über die frühen Jahre der Entkolonialisierung in Ghana und der Elfenbeiküste begreift und damit als eine gleich mehrfache "Chronik einer Desillusionierung".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.07.2020

Die autobiografischen Schilderungen Maryse Condés haben der Rezensentin Eva-Christina Meier nähergebracht, was es bedeutete, die bewegten 1960er Jahre in verschiedenen Staaten Westafrikas zu verbringen. Der Kritikerin zufolge gelingt es der Autorin, ihre persönlichen Erfahrungen schlüssig in die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche in den ehemaligen Kolonien einzubetten. Zugleich hat Meier erfahren, wie schwer es für eine alleinstehende Migrantin aus Frankreich mit Wurzeln in Guadeloupe und ihre Kinder gewesen sein muss, in diesen Verhältnissen Fuß zu fassen - beeindruckend, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.07.2020

Rezensentin Marlen Hobrack hat mit diesen Memoiren die bewegte erste Lebenshälfte Maryse Condés kennengelernt und erfahren, dass die in Guadeloupe geborene "Grande Dame der frankophonen Literatur" es nicht leicht hatte, irgendwo anzukommen: Während ihrer Kindheit in Frankreich von den Eltern möglichst "weiß" sozialisiert, blieb sie später in auch Afrika nur "die Andere", erzählt die Kritikerin. Die Autobiografie hat Hobrack nicht nur eine unerschrockene Frau, sondern auch deren trotzige Liebe für den so vielfältigen Kontinent Afrika nähergebracht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2020

Rezensent Cornelius Wüllenkemper folgt gebannt dem turbulenten Lebensweg der antillanischen Schriftstellerin Maryse Condé, die als junge Frau von Guadeloupe nach Paris ging und von dort als Französischlehrerin nach Conakry in Guinea. Wüllenkemper erfährt in diesem zweiten Teil ihrer Autobiografie viel Aufschlussreiches über Aufbruch und Enttäuschung des Postkolonialismus, über die Illusionen der "Négritude" und die vergebliche Suche nach den afrikanischen Wurzeln. Aber besonders beeindruckt ihn, wie offen und selbstkritisch Condé von ihren jungen Jahren erzählt, als sie etwas haltlos "im Zirkel der linken Langweiler" vor allem Liebensabenteuer suchte und sich anschließend mit vier unehelichen Kindern durchboxen musste, bis sie mit über vierzig aus ihrem unglücklichen Leben großartige Literatur zu schreiben begann.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.06.2020

Sehr zitatreich bespricht Rezensentin Michaela Schmitz diese Autobiografie der frankophonen Schriftstellerin Maryse Condé. Gebannt folgt sie der oft schmerzvollen, aber mit viel Witz erzählten Lebensgeschichte der auf Guadeloupe geborenen Autorin, die schon mit 16 Jahren zum Studium nach Paris geht, Diskriminierung erfährt, eine Ehe mit dem Schauspieler Mamadou Condé eingeht und mit einem Kind und schwanger mit einem weiteren alleine an die Elfenbeinküste zieht. Condé bleibt ihrem Mann zwar verbunden, lernt im Laufe ihres Lebens aber andere Männer kennen, darunter den einer afrikanischen Königsfamilie entstammenden Anwalt Kwame und lebt unter anderem in Guinea, Ghana oder Großbritannien, resümiert die Rezensentin. All diese Lebens- und Liebesgeschichten weiß die Autorin in ihrer Autobiografie gekonnt und perspektivreich zu überblenden, lobt Schmitz, die Condé einmal mehr einen "komplexen" und vielschichtigen Blick auf den afrikanischen Kontinent verdankt.