Ein Verschollener ist wieder zu entdecken. Hans Erich Nossack, in den fünfziger und sechziger Jahren einer der Großen der deutschsprachigen Literatur, den Jean Paul Sartre als authentische Stimme Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg feierte, dessen Bericht von der Zerstörung Hamburgs, "Der Untergang" Thomas Mann als "ein Werk für immer pries", den Siegfried Lenz einen "unerregten Protokollanten" und einen "Experten für Katastrophen" nannte und von dem Marcel Reich-Ranicki sagte, er sei "der Vornehmste von allen", war plötzlich verschollen. Verschollen trotz höchster Auszeichnungen wie Büchner-Preis und Orden pour le Mérite. Verschollen im Literaturgetriebe, um das er sich nie gekümmert hat, und von dem er sich gegenüber seinem Verleger Siegfried Unseld mit der Bemerkung distanzierte, seine Arbeiten seien keine kurzfristigen Spekulationsobjekte, sondern "langfristige Wertpapiere". Doch nun ist er mit Daniel Dubbes Biografie wieder zu entdecken. Entlang der Lebensjahrzehnte Nossacks (1901-1977) beschreibt Dubbe die vielfach atemberaubenden Bedingungen eines großen Autors: das Doppelleben als Kaffeekaufmann und Schriftsteller; die Tarnung und das Außerhalb als seine großen literarischen Themen; das Schreiben als seine einzige Möglichkeit der Existenz.
Rezensent Martin Willems liest Daniel Dubbes Biografie über Hans Erich Nossack auch als eine Geschichte über Schreibzwang und das "(Nicht-)Zurechtkommen" introvertierter Personen im Literaturbetrieb. So erfährt Willems nicht nur von Nossacks Leben - seiner strengen Erziehung, dem Trauma der Bombardierung Hamburgs, von seiner erfolgreichen, aber von Zweifeln geprägten Schriftstellerkarriere in der BRD -, sondern liest auch davon, wie Nossack sich - Abwesenheit vortäuschend - drei Tage lang in seinem Zimmer verschanzte, um einer Akademiesitzung zu entgehen. Auch Dubbes "lakonische" Äußerungen zum schriftstellerischen Dasein und Selbstmitleid, gefallen dem Rezensenten. Alles in allem eine "fundierte" Biografie, die die Faszination für den Porträtierten mit einer gesunden Distanz verbindet, lobt Willems.
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