Wenn der König stirbt
Roman

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783895614248
Gebunden, 160 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. Unter Mitarbeit von Florian Grundei. In einem Hotel in Zürich stirbt der König eines namenlosen kleinen Landes. Der Trubel der Trauerkundgebung erfasst die Deutsche Hanni Gretl und ihren somalischen Liebhaber Sulejman, die bald darauf von mehreren Leuten, darunter dem grimmigen Dragan, verfolgt werden. Doch statt in einer Schlägerei landen sie allesamt in einem Café, wo sie wild über den Balkan diskutieren und darüber, was der so alles mit Afrika zu tun hat. Auch der König mischt sich ein, teilt seine Erinnerungen an die Anfangszeiten der UNO und gibt außerdem Anekdoten von skurrilen Begegnungen mit Vladimir Nabokov und Jorge Luis Borges zum Besten.Wenn der König stirbt ist ein Vexierspiel voller unerwarteter Wendungen, kapriziöser Einfälle und doppelbödigem Humor. Mit diesem Roman hat der große Romancier David Albahari der Welt ein literarisches Vermächtnis voll unbändiger Fabulierlust hinterlassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2025
Rundum glücklich wird Rezensent Luca Vazgec nicht mit dem neuen und letzten Roman David Albaharis, den er freilich auch nach der Lektüre noch für einen Großen der Literatur hält, dessen Texte sowohl an Proust als auch an Pynchon, Handke, Kafka und viele andere erinnern. Viel Handlung hatten seine Bücher nie, aber so disparat wie im Neuen, lernen wir, war das Geschehen früher doch nie. Diesmal stirbt am Anfang ein König, danach hangeln sich die virtuos konstruierten Sätze durch die Weltgeschichte, von den Wikingern bis Vladimir Nabokov, von einer Konferenz der Kleinstaaten zu einer schwulen Liebesgeschichte. Durchaus absichtsvoll verläuft sich der Text immer wieder im Nichts, so Vazgec, die Wahrheitssuche, nicht ans Ziel führt, erweist sich diesmal als ganz besonders mühevoll, auch wer der König genau sein soll (Ein Milošević-Widergänger? Eine Metapher aufs Judentum?) bleibt unklar. Vazgec hat Verständnis für Leser, denen das alles zu anstrengend ist, er selbst findet schließlich aber doch noch Zugang dazu, weil er es mit Albaharis lebenslanger Kritik der Wahrheitssuche und auch mit dem von Exilerfahrungen geprägten Lebenslauf des Autors in Verbindung bringt. Eine klare Leseempfehlung wird daraus am Ende zwar nicht, aber als Schwanengesang eines großen Exzentrikers der Weltliteratur schätzt der Kritiker das Buch trotzdem.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2025
Gern liest Rezensentin Ilma Rakusa den letzten Roman David Albaharis. Der 2023 verstorbene serbisch-jüdische Schriftsteller stellt in diesem Buch einen sonderbaren König ins Zentrum, dessen kleines Reich zuletzt nur noch zwei Hoteletagen in Zürich umfasst. Eine kohärente Erzählung sollte man nicht erwarten, vieles geht hier wild durcheinander. Der König, der selbst namenlos bleibt, trifft sich unter anderem mit Nabokov und Tito, hat mit der Gründung blockfreier Staaten zu tun, behauptet aber auch, schon bei Jesu Kreuzigung zugegen gewesen zu sein. Die wortgewaltige Prosa löst sich außerdem oft vom zentralen König und beschäftigt sich stattdessen, so Rakusa, mit allem unter der Sonne, von Rassismus über chinesische Seide bis zu Schweizer Banken. Einen inhaltlichen Schwerpunkt macht die Rezensentin aber doch aus: Es geht besonders oft um den Balkan, mit dessen Geschichte sich Albahari bestens auskennt. Ein aufregendes Buch, das viele Themen nur anreißt und sich zu einem reichen, erfahrungsgesättigten Panorama weitet, hat Albahari geschrieben, schließt die insgesamt klar positive Rezension.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 12.07.2025
Rezensent Jörg Plath freut sich, noch ein letztes Mal ein wunderbar verrücktes Buch des serbischen Schriftstellers David Albahari entdecken zu können, der 2023 verstorben ist. Schon zu Beginn steht der Abschied, die Auflösung im Vordergrund, ein alternder König, der quasi die ganze Weltgeschichte gesehen hat, stirbt in einem Zürcher Hotel vor sich hin, erfahren wir. Der Ich-Erzähler offenbart uns, dass der König auch nach seinem Tod noch irgendwie da ist, er ist eine Art Märchenfigur, so ganz ist das wegen des unzuverlässigen Erzählstils nicht zu durchschauen, so Plath. Durchmischt ist das Buch mit losen Szenen aus der Geschichte des Menschen, der Kritiker sieht wieder einmal, dass alle Versuche der Menschen, Ordnung in ihr Leben zu bringen, mit dem Tod unweigerlich enden müssen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.06.2025
Rezensent Carsten Hueck wird nicht ganz glücklich mit diesem letzten, zwei Jahre vor dem Tod von David Albahari im Original erschienenen Roman. Fällt es dem Kritiker doch schwer, dem serbischen Autor zu folgen, wenn dieser ihm mit allerhand Exkursen und Abschweifungen von einem König erzählt, der nur über Keller und Erdgeschoss eines Zürcher Hotels herrscht und mitbekommt, wie sich seine Freundin mit dem Somalier Sulejman vergnügt, während er im Sterben liegt. Wenn es dann bald um Hanf, Bob Marleys Heiligkeit oder die Kolonialgeschichte Afrikas geht, verliert Hueck bald den Überblick. Und dass Albaharis Wortwitze im Angesicht des nahenden Todes eher "matt" wirken, macht es für den Rezensenten nicht besser.