David Berger outete sich Anfang 2010 und legte sein Amt als Herausgeber der Zeitschrift "Theologisches" nieder. Wenige Wochen später wurde ihm wegen dieses öffentlichen Bekenntnisses die Professur an der Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas von Aquin entzogen. Bis dahin hatte er über Jahre eng mit dem einflussreichen erzkatholischen Lager zu tun, das den Anspruch der Kirche als höchste moralische Instanz verteidigt, tatsächlich aber von Doppelmoral geprägt ist. In seinem sehr persönlichen Buch deckt Berger das perfide Unterdrückungssystem scheinheiliger Kirchenoberen auf. Er erzählt, warum sich so viele Schwule von einer Institution angezogen fühlen, die nach außen Homosexualität verteufelt, und warum Gewalt und Missbrauch in der Kirche so viel Platz einnehmen konnten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2010
Rezensent Matthias Drobinski schätzt dieses Buch des schwulen Theologen David Berges als wichtige Ergänzung zu Peter Seewalds Interviewbuch mit Papst Benedikt XVI. Er hat beide Bücher zusammen gelesen und stellt einerseits Gemeinsamkeiten, andererseits Unterschiede fest. Die Gemeinsamkeiten liegen seines Erachtens vor allem in der Einschätzung, dass die katholische Kirche in der Krise steckt, die Unterschiede betreffen die Vorschläge, wie dieser Krise zu begegnen ist. Er nennt in diesem Zusammenhang insbesondere Bergers Plädoyer für ein anderes Verhältnis zur Sexualität in der katholischen Kirche und seine Kritik an kirchlicher Doppelmoral. Diese Doppelmoral führt der Autor für Drobinski anhand seiner eigenen Karriere in konservativen katholischen Kreisen eindringlich vor Augen. Alles in allem ist das Buch nach Ansicht des Rezensenten so etwas wie die "andere Seite des Papstbuches".
Mit sehr großem Interesse hat Thomas Assheuer diese Abrechnung des Theologen David Berger mit der katholischen Kirche gelesen, auch wenn sie ihn am Ende etwas ratlos zurücklässt. Berger, informiert uns Assheuer, hat als rechter Theologe in der Kirche eine steile Karriere hingelegt. Er verabscheute die liberalen Kirchenvertreter und liebte den "liturgischen Zauber" der tridentinischen Messe. Allerdings ist Berger auch schwul, das kam in seinen rechten Kirchenkreisen nicht so gut an und gipfelte in wüsten Beschimpfungen auf katholischen Internetseiten. In seinem Buch nun, erklärt Assheuer, berichte Berger von seiner Abkehr und seinen Erlebnissen in einschlägigen rechten Kreisen, mit Opus Dei, dem Engelwerk oder den Piusbrüdern. Was Assheuer nach Abschluss seiner Lektüre allerdings nicht weiß, ist, wie repräsentativ Bergers Erlebnisse nun sind. Sind sie "exemplarisch"? Assheuer weiß es nicht.
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