Von allgemeiner Gültigkeit
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432198
Gebunden, 158 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Eva Bonné. Auf einer verlassenen Farm in Yorkshire wird ein Mann mit einem Goldbarren fast totgeschlagen. Für die junge Londoner Journalistin Hannah ist es nicht bloß eine Geschichte mit Potenzial, sondern ihre letzte Hoffnung, nicht abzurutschen: in berufliche Bedeutungslosigkeit, Armut, Provinz. Sie recherchiert - mit letzter Kraft - und bringt einen moralisch bankrotten Investmentbanker, eine antiwoke-Kolumnistin und eine radikale anarchistische Bewegung mit dem Goldbarren in Verbindung. Was sie dann schreibt, geht viral, big-time, und bringt Hannah zurück ins Gespräch, mit Freundinnen, Redakteuren, einer Netflix-Produktionsfirma. Doch ihre spektakuläre Reportage und der sich einstellende Erfolg werfen schnell eine grundsätzlichere Frage auf: Was ist von allgemeiner Gültigkeit in diesem zerbrochenen Land?
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2025
Allzu viel kann Rezensent Tobias Döring nicht anfangen mit diesem Roman der amerikanischen Starautorin Natasha Brown. Zunächst scheint der Kritiker einen Krimi um das Mitglied einer Landkommune zu lesen, der einen anderen Kommunarden mit einem Goldbarren ins Koma prügelt. Bald aber wechselt Brown nicht nur die Tonlage, sondern auch den Erzählstrang: Erst geht es plötzlich um eine Journalistin, die mit der Story um den Goldbarren in der Digitalboheme bekannt wurde, nachdem sie vorher von Existenzsorgen geplagt worden war. Einige weitere Perspektivwechsel später hat der Kritiker komplett den Überblich verloren, aber so viel wird ihm klar: Der Autorin geht es vor allem darum, Modethemen wie "Diversität, Wokeness, Sexismus, Rassismus, Klassismus und Kapitalismus" abzuarbeiten. Dass die Figuren so platt wie die gepredigte Moral ist und auch Browns Versuch einer satirischen Medienkritik misslingt, macht es für Döring nicht besser. Immerhin: Eva Bonnés Übersetzung gefällt ihm.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.03.2025
Natasha Browns Roman regt Sonja Hartl zum Nachdenken an. Die Story um einen Mord und eine vermeintliche Verschwörung, aufgedeckt von einer jungen Journalistin, dreht sich eigentlich um die Kapitulation vieler Medien vor der Aufmerksamkeitsökonomie, erkennt die Rezensentin. Auch wenn ihr der Text stellenweise etwas langatmig erscheint, seinen Hintersinn und seine durchaus provokant formulierte Message (Genauer hinsehen!) findet Hartl doch bemerkens- und bedenkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2025
Rezensentin Meredith Haaf beschäftigt sich anlässlich eines Telefongesprächs mit der Autorin mit Natasha Browns interessantem neuem Roman, der zwar schmal geraten, aber gar nicht so leicht zusammenzufassen ist. Haaf versucht es trotzdem: Im Zentrum steht zunächst die nicht gar so erfolgreiche Journalistin Hannah, die durch einen Tipp an eine Story um einen Goldbarrenmord gerät, die viral geht und ihr endlich Erfolg beschert. Diese Story steht denn auch am Anfang des Buches Browns, und sie ist mit voller Absicht im schrecklich schlechten "New Journalism"-Stil verfasst, beschreibt Haaf. Im Folgenden zeichnet Brown Haaf zufolge ein ziemlich finsteres, bösartiges Bild eines Journalismus, der sich nicht an Fakten und einem Berufsethos orientiert, sondern die Wirklichkeit verzerrt darstellt. Später rückt eine weitere Figur namens Lenny ins Zentrum der Handlung, fährt die Rezension fort, eine Kolumnistin, die einen anti-woke-Bestseller landet. Hauptthema des Buches ist jedoch, lesen wir weiter, der ökonomische Wandel unserer Gegenwart, der mit dem Aufstieg einer neuen, naturwissenschaftlichen Elite zusammenhängt. Haaf ist von all dem und insbesondere von Browns spielerischem, reflexivem Umgang mit Sprache ziemlich angetan.