Karl Ove Knausgard

Im Augenblick

Reisen. Essays. Reportagen.
Cover: Im Augenblick
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878225
Gebunden, 848 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Es geht um Faust und den Teufel, um skandinavische Malerei und den Tod, russische Tankstellen und die amerikanische Prairie: Das Essayistische ist eine treibende Kraft in Karl Ove Knausgårds schriftstellerischem Werk, seine preisgekrönten Romane sind undenkbar ohne essayistische Einschübe, in der sich die großen Fragen zur menschlichen Existenz mit dem alltäglichen Leben seiner Protagonisten verbinden. Knausgards Interesse ist dabei breit gefächert, gesucht und verhandelt wird immer das Große im Kleinen, und vermeintlich Nebensächliches entpuppt sich nicht selten als das eigentlich Wesentliche. Was sind die Bedingungen für kreatives Schaffen - und was ist es, was unsere Welt und letztendlich unsere Wahrnehmung formt? Das sind die Fragen, um die sein Schreiben kreist und denen er sich auf verschiedene Weise nähert. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.04.2026

Rezensent David Hinzmann liest die neuen Essays von Karl Ove Knausgard und erkennt: Subjektivität ist hier das Funktionsprinzip. Warum der Kritiker dennoch in die Texte hineingezogen wird, erklärt er sich so: Es ist die kalkulierte Verdichtung! Auch wenn das angesichts von Knausgards Riesenwerk seltsam klingt. Aus dem "unendlichen Pool seiner Erfahrungen" wählt der Autor gezielt aus, wenn er seine Reise zu einem Mathematiker auf eine griechische Insel schildert, an deren Ende eine "Offenbarung" wartet, wie der Kritiker verrät. Auch der Rhythmus, der durch die Reduktion entsteht, und die einfache Sprache spielen laut Hinzmann eine Rolle. Allerdings gibt es auch ein Problem. Für Hinzmann liegt es in der Abwesenheit einer weiblichen Perspektive - das ist in den Romanen wie in den Essays so, meint er. Aber ein Knausgard, der auch weibliche Referenzen oder Sichtweisen zulassen würde, wäre eben kein Knausgard, folgert er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2025

Karl Ove Knausgard als Autor, der selbst in einer Reisereportage "Amerika nicht entdeckte", sondern im Hotelzimmer über einer verstopften Toilette brütete: ein Beispiel dafür, wie er durch die Welt und sich selbst "wie durch ein verstopftes Abflussrohr" wühlt, schreibt der durchaus angetane Rezensent Thomas Steinfeld. Der Band versammelt Essays, Reportagen und Poetikvorlesungen, die zwischen Alltäglichem und Metaphysik mäandrieren: Da kann der Kritiker den Autor in der Funktion eines etwas "törichten Journalisten" beobachten, der einen sibirischen Kuhhirten nach seiner Meinung zu Putin fragt, es geht um Madame Bovary, aber auch um ein ABBA-Hologramm, das Knausgard an Odysseus Ausflug in das Reich der Toten erinnert, lesen wir. Der Kritiker betont Knausgards hartnäckiges Interesse an der Grenze zwischen Wirklichem und Vorgestelltem, an der "Differenz von Realität und symbolischer Form" und sieht darin die Eigentümlichkeit seiner Prosa: keine moralischen Botschaften, sondern ein "Heroismus der Alltäglichkeit", der das Banale ebenso ernst nimmt wie die Endlichkeit, was Knausgard auf eine Formel bringt: "ohne Tod keine Menschen". 

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