Im Mai 2002 rehabilitierte der Deutsche Bundestag pauschal die Deserteure der Wehrmacht, "Kriegsverräter" sparte er aus. Die hier dokumentierten 33 Urteile der NS-Militärjustiz schaffen die Voraussetzung für eine sachgerechte Aufarbeitung eines längst überfälligen Themas. Die meisten der wegen Kriegsverrats verurteilten Wehrmachtsoldaten waren kleine Leute in Uniform, die, ähnlich wie die Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und Wehrkraftzersetzer,Widerstand gegen Hitler und den Vernichtungskrieg zu leisten versuchten. Einige von ihnen gingen in bewaffnete Widerstandsgruppen, andere fielen durch oppositionelle Gesinnung auf. Eine Kollaboration mit den Kriegsgegnern Deutschlands war den wenigsten möglich. Nicht selten entstand das Delikt "Kriegsverrat" erst in den Köpfen der Kriegsrichter: Sie konstruierten aus widerständigen Handlungen eine Begünstigung des Feindes. Vielfach reichte zu einem Todesurteil, wenn einer Kommunist, Sozialist oder Pazifist war und Kriegsgefangenen oder Juden geholfen hatte. Warum wurden sie bis heute nicht rehabilitiert?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2009
Rezensent Johannes Hürter begrüßt diese Dokumentation von Wolfram Wette und Detlef Vogel, die sich dem Ziel verschrieben hat, nach Wehrdienstverweigerern und Deserteuren auch die sogenannten Kriegsverräter zu rehabilitieren. Wie der Rezensent informiert, erklärte eine bereits 1934 vorgenommene Gesetzesänderung alle Angehörigen der Wehrmacht zu Kriegsverrätern, die im Feld dem Feind Vorschub leisteten oder die eigene Kriegsmacht schwächten. Wette und Vogel zeigen nun am Beispiel von dreißig Fällen und für Hürter sehr eindringlich, wofür die meist einfachen Soldaten verurteilt wurden: für politische Handlungen oder Kooperationen mit dem Kriegsgegner, aber auch für humanitäre Hilfe für Juden und Kriegsgefangene. "Unkenntnis und traditionelle Ressentiments" hätten bisher verhindert, so der Rezensent, dass die NS-Urteile gegen diese Gruppe aufgehoben wurden und er zitiert den großen Fritz Bauer: "Unrecht kennt keinen Verrat."
Rezensent Hans-Martin Lohmann begrüßt die Dokumentation von Wolfram Wette und Detlef Vogel "Das letzte Tabu", in der sie auf ein lange Zeit totgeschwiegenes Thema aufmerksam machen. So gehen sie darin der Frage nach, warum Emigranten, Verweigerer und sonstige so genannte "Kriegsverräter" wie der 1944 zum Tode verurteilte Grenadier Michael Fries, dem Verbindungen zu "kommunistischen Gesinnungsgenossen" vorgeworfen wurden, bis zum heutigen Tage keine juristische Rehabilitierung erfahren haben. Auch wenn sich in Deutschland gerade die Politiker noch immer schwer mit diesem Thema tun, hofft der Rezensent, dass nun auch "dieses Tabu endlich fällt und dem Grenadier Michael Fries und vielen anderen seiner Kameraden späte Gerechtigkeit widerfährt."
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