E.M. Cioran

Notizen 1957-1972

Cover: Notizen 1957-1972
Karolinger Verlag, Wien 2011
ISBN 9783854181439
Gebunden, 1021 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Simone Boue. Aus dem Französischen von Peter Weiß, Verena von der Heyden-Rynsch und Konrad Weiß. Mit Abbildungen und einem umfangreichen Personenregister. Über dreißig Notizhefte fanden sich im Nachlass von E. M. Cioran (1911-1995), des bedeutenden rumänisch-französischen Aphoristikers, Essayisten und Philosophen, wohlgeordnet, aber mit dem Vermerk "Zu vernichten" versehen. Simone Boue, die Gefährtin des Autors, gab sie bei Gallimard in Paris heraus, 2001 erschien eine deutsche Auswahl, die allerdings nur ein Fünftel der Textmasse umfasste. Wir legen hier die seit langem gewünschte vollständige Ausgabe vor.
Diese "Hefte" haben ihm geholfen, mit dem Universum und besonders mit sich selbst abzurechnen. Tag um Tag zählt er darin sein Scheitern und Leid, seine Ängste, Schrecken, Wutanfälle und Demütigungen auf ... Anekdoten, Berichte von Begegnungen, Porträts ..." (Simone Boue)
"Mit Zwanzig hatte ich nur die Auslöschung der Alten im Kopf; noch immer halte ich sie für dringlich, ergänze sie aber jetzt durch jene der Jungen. Mit dem Alter hat man eine umfassendere Sicht der Dinge." (E.M. Cioran)

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2012

Rezensent Markus Bauer begrüßt die nun vorliegende vollständige deutsche Übersetzung der französischen Notizen von E. M. Cioran. Eines geht aus seiner Besprechung klar hervor: der geneigte Leser darf sich freuen auf eine geballte Ladung schwärzester Melancholie gepaart mit abgrundtiefer Skepsis, Weltekel und Bitterkeit. Bisweilen reizen Bauer die im französischen Exil zwischen 1957 und 1972 entstandenen Notate - philosophischen Reflexionen, Kindheitserinnerungen, Anekdoten - wegen ihrer Lakonie und Abseitigkeit gar zum Lachen. Als Ganzes aber vermittelt der 1000 Seiten umfassende Band für ihn ein eindringliches Bild eines Schicksals, das ihn berührt, eines von Melancholie geprägten Lebens, das ihn interessiert. Einige politisch bedenkliche Äußerungen will er nicht verschweigen. Insgesamt aber wertet er den Band als "brillante Entzauberung der Welt" - in sprachlicher Vollendung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011

Gäbe es eine Kunst des Scheiterns, Cioran wäre ihr größter Sänger. Rezensent Henning Ritter liest die nachgelassenen Notizen, die nach ihrer Publikation in Frankreich im Jahr 1997 nun endlich auf Deutsch vorliegen, durchaus mit Faszination, aber andererseits nicht ohne wohltuende Distanz. Alle Elemente der Cioranschen Philosophie werden in seiner Kritik durchleuchtet: Ciorans rückhaltlose Verliebtheit ins Scheitern, die nur erträglich wird, weil er sie in seinen Notizen mit "merkwürdigem Humor" aufbereitet. Seine Liebe zu den großen Autoren des französischen 18. Jahrhunderts, ihrer Skepsis und Klarheit, und der Schandfleck seiner jugendlichen Begeisterung für Antisemitismus und Nazis, an dem sich seine Prosa, ohne ihn je zu erwähnen, abzuarbeiten scheint. Auch heute noch gilt Cioran als einer der glänzendsten Autoren der französischen Sprache, schreibt Ritter, trotz allem wohl zurecht. Man kann Ritters Kritik, auch wenn er es nicht eigens dazu sagt, wohl als Leseempfehlung verstehen.
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