Aus dem Spanischen von Enno Petermann. In seinem neuen Roman erzählt der Argentinier Eduardo Belgrano Rawson eine wahre Geschichte, die einerseits alltäglich, andererseits in ihren Folgen ungeheuerlich ist: Claudia und Luis, Schüler in dem Provinzstädtchen San Luis, sind ein Liebespaar, dann verschwindet Claudia eines Tages spurlos. Ein anonymer Zeuge behauptet, Luis habe das Mädchen umgebracht. Der Junge wird verhaftet, gefoltert, gesteht, kommt ins Gefängnis, ist nach Jahren zerrüttet und krank. Da, neun Jahre später, wird Claudia von ihrer Mutter gefunden, sie war einfach nur mit einem Lastwagenfahrer abgehauen, ist längst verheiratet und hat Kinder. Luis wird freigelassen, Claudia bittet um Verzeihung. Aber wie kann man nun damit leben? Was soll man tun? Und wie war das alles überhaupt möglich?
Rezensentin Eva-Christina Meier findet den Ansatz des argentinischen Autors Eduardo Belgrano Rawson, Fiktionales mit historisch Verbürgtem zu vermischen, sehr interessant und gekonnt. Ihm gehe es nicht um die "exakte Widergabe" von Geschehenem, sondern um "Erinnerung" und die "atmosphärische Wahrnehmbarkeit eines Konflikts", erklärt Meier. In seinem Roman schildert er zwei historisch verbürgte Fälle: Das Drama eines Mannes, der ohne geringsten Beweise wegen Mordes an einem jungen Mädchen verurteilt wird. Neun Jahre später taucht das Mädchen wieder auf, es war war von zu Hause weggelaufen. Im zweiten Teil des Buches geht es um das Schicksal eines Kindes, dessen Mutter von den Militärs ermordet wird und der von einem Polizisten adoptiert wird. Meier ist beeindruckt, wie Rawson hier von Unrecht, Polizei- und Justizwillkür erzählt und dabei die Zeiten der Junta und der Demokratie verschränkt (der Fall des zu Unrecht Verurteilten ereignete sich 1989). Und auch wie der Autor sein Thema mit seiner nicht-lineare Montagetechnik aufbereitet, hat der Rezensentin gut gefallen.
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