Aus dem Englischen von Alexander Weber. Können Wälder denken? Können Hunde träumen? In diesem modernen Klassiker der Anthropologie stellt Eduardo Kohn unsere zentralen Annahmen darüber infrage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein - und sich damit von allen anderen Lebensformen zu unterscheiden. Auf der Grundlage von jahrelanger Feldforschung bei den Runa im oberen Amazonasgebiet Ecuadors beschreibt Kohn, wie die Amazonasbewohner mit den vielen Lebewesen interagieren, die eines der komplexesten Ökosysteme der Welt bewohnen. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: Unser gesamtes anthropologisches Instrumentarium beruht auf dem, was uns als Menschen auszeichnet - Sprache, Symbole, Abstraktion. Richten wir unsere Aufmerksamkeit jedoch auf die Art und Weise, wie wir uns zu anderen Arten von Lebewesen verhalten, versagen diese Instrumente, die uns vom Rest der Welt trennen. "Wie Wälder denken" begreift eben dieses Versagen als Chance. Ohne die Eigenarten menschlicher Existenz zu veleugnen, eröffnet Kohn durch die eingehende Beobachtung der lebendigen Welt um uns herum wundersame und überraschende Sichtweisen für ein neues Miteinander von Menschen und Nichtmenschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2023
Rezensentin Heike Delitz findet das im Original vor zehn Jahren erschienene Buch des Anthropologen Eduardo Kohn eindrücklich. Weniger Kohns an Lévi-Strauss und die Zeichentheorie von Charles S. Peirce anknüpfender philosophischer Ansatz einer Dekolonisierung des anthropologischen Denkens ist es, was Delitz begeistert, als vielmehr die "Übersetzungsarbeit", die der Autor im Hinblick auf den Stamm der Runa und ihr Denken leistet. Der Leser gelangt so zur Vorstellung von Denkweisen "jenseits des Menschen", versichert Delitz.
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