Eine Kriegsenkelin auf der Spur eines düsteren Familiengeheimnisses. Susanne Beyer hat ihren Großvater nie kennengelernt. Er starb unter mysteriösen Umständen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Wer hat ihn erschossen? Und was war eigentlich seine Aufgabe im NS-Staat?In fast jeder Familie schlummern Geheimnisse: Haben die Eltern oder Großeltern während der NS-Zeit Schuld auf sich geladen? Was verschweigen die Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden? Susanne Beyer versucht, 80 Jahre nach dem Tod des Großvaters die Wahrheit herauszufinden. Dabei wird ihr immer klarer, welche Folgen die Vergangenheit für ihr eigenes Leben hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2025
Rezensent Oliver Pfohlmann kann einiges anfangen mit Susanne Beyers Recherche über ihre eigene Familiengeschichte. Die Journalistin arbeitet in dem Buch den Lebenslauf ihres 1945 am Ende des Zweiten Weltkriegs von russischen Truppen erschossenen Großvaters auf - insbesondere dessen Verstrickungen ins NS-Regime. Zu diesem Zweck konfrontiert sie laut Pfohlmann innerfamiliäre Legenden, die ihren Opa als einen gewissenhaften Menschen beschreiben. Tatsächlich erfährt sie, dass er als Fachmann für Blütenfarben in unmittelbarer Nähe des KZ Auschwitz in einem Werk für synthetischen Kautschuk tätig war. Es liegt nahe, dass er über die Vernichtungsmaschinerie der Nazis gut Bescheid wusste, glaubt Beyer Pfohlmann zufolge nach der Recherche. Auch zur Frage, warum der Großvater von den Russen erschossen wurde, stellt sie Nachforschungen an. Gefühlsbetont und subjektiv schreibt Beyer,so der Kritiker, dem sich hier lesenswerte Einblicke öffnen in die inneren Konflikte der Nachfahren von Nazitätern.
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