Wir brauchen einen Ariadnefaden, um uns im Labyrinth der Welt zurechtzufinden. Wir müssen diesen Faden selbst in die Hand nehmen und auch weiterspinnen, um schöpferisch unser Denken und Handeln zu bestimmen. Ekkehard Martens erzählt in diesem Buch die Kulturgeschichte der Metapher vom Faden der Ariadne, die nicht nur in der griechischen Antike, sondern ebenso im Rationalismus Bacons und Kants, in der Gesellschaftskritik Nietzsches oder Adornos sowie in Wittgensteins Schachspielen am Werk war.
Andreas Brenner ist mit dem Autor einer Meinung, wenn er die Ansicht äußert, jeder Mensch sollte etwas von einem philosophischen Spinner haben. Denn Spinnen ist etwas Kreatives, erfährt der Leser: Ariadne rettete Theseus mit Hilfe eines gesponnen Fadens aus dem Labyrinth, man entwickelt Gesprächsfäden, Gedächtnisfäden können allerdings auch reißen und mancher entwickelt gar Hirngespinste. Doch schon Kants Zeitgenosse Christian Garve hat für das Spinnen von Gedanken plädiert: "Philosophieren kann jeder". Der Aufruf zum Spinnen ist also ein Plädoyer für das Selberdenken. Dies sehe Martens zwar nicht ganz so optimistisch, denn schließlich könne man sich auch "in den eigenen Netzen verfangen". Doch der `Ehrentitel eines Spinners` ist trotz allem, so Martens und Brenner einstimmig, etwas durchaus Erstrebenswertes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2000
In seiner kurzen Besprechung preist der Rezensent mit dem Kürzel "upj." dieses Buch an, dass eine "bildliche und einleuchtende" Antwort auf die Frage gebe, was Denken eigentlich ist.. Der Autor habe dafür Textstellen bei Philosophen herausgesucht, die die Metapher des "Spinnens" für die Geistestätigkeit einsetzen und die vor Augen führen, wie verbreitet dieser Vergleich ist, referiert der Rezensent, der offenbar nichts zu bemängeln hat.
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