Aus dem Englischen von Anne Emmert und Judith Elze. Von den antiken Anfängen der Medizin bis in die Gegenwart, von der "wandernden Gebärmutter" bis zur Entdeckung von Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Die britische Feministin Elinor Cleghorn präsentiert eine bahnbrechende und aufwühlende Kulturgeschichte über das Verhältnis von Frauen, Krankheit und Medizin.Elinor Cleghorn, selbst an der Autoimmunerkrankung Lupus erkrankt, hat sich nach einer nervenaufreibenden Diagnose-odyssee auf die Suche nach den Wurzeln der patriarchalen Mythen begeben, die unsere westliche Medizin bis heute prägen. Anhand einer Fülle von historischem Material rekonstruiert sie, wie stark die Medizin als Wissenschaft und Institution von kulturellen und gesellschaftspolitischen Umständen beeinflusst ist. Denn die Tatsache, dass Frauen als das schwächere Geschlecht galten und auf die soziale Aufgabe der Mutterschaft reduziert wurden, formte auch den medizinischen Blick auf Frauen und Weiblichkeit über die Jahrhunderte. Von der "wandernden Gebärmutter" über die "Hysterie" bis hin zum sich nur äußerst langsam wandelnden Verständnis für Menstruation und Menopause - all diese Diagnosen und Entwicklungen zeugen von einer männlich geprägten, nicht selten sexistischen Medizin.Feminist*innen erheben seit Langem ihre Stimme gegen diesen patriarchalen Zugriff auf ihren Körper und kämpfen für eine bessere Aufklärung über weibliche Gesundheit. Wer verstehen will, warum dieser Kampf wichtig und notwendig ist, findet in Elinor Cleghorns Buch die Antwort.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2023
Kritikerin Felicitas Witte, selbst Medizinerin, ärgert sich, dass Elinor Cleghorn in ihrem Buch über angebliche Frauenfeindlichkeit in der Medizin auf Emotionalisierung setzt und nicht auf eine solide Faktenbasis. So findet sie dann auch viele Falschbehauptungen, die sie ausführlich korrigiert, etwa, dass Gicht keine Lebensstil-, sondern meist eine Erbkrankheit ist. Ein kritischer Blick darauf, ob Frauen in der Medizin heute benachteiligt und nicht ernst genommen werden, hätte die Rezensentin durchaus interessiert, aber Cleghorn kann ihr mit veralteten Quellen oder ohne Nachweis aufgestellten Behauptungen keine zufriedenstellende Antwort geben. Für die Autorin scheint die patriarchal bedingte Unterdrückung der Frau auch im medizinischen Kontext klar zu sein, seufzt die Rezensentin, die sich weniger Gefühl und mehr Wissenschaft gewünscht hätte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.08.2022
Rezensentin Susanne Billig bewundert Elinor Cleghorn dafür, dieses Buch ausgehend von eigenen Erfahrungen geschrieben zu haben. Entstanden ist laut Billig eine andere, "brachiale" Medizingeschichte, eine die Frauen skandalisiert, ihnen medizinische Hilfe versagt und immer "ideologiegesteuert" therapeutisch entgegentritt, anstatt zu helfen. Von der Antike bis in die Gegenwart reicht die "akribische" Darstellung, die von der "wanderenden Gebärmutter" berichtet und von den "Happy Pills" der 1970er. Für Billig eine mitunter "grausige" Lektüre, die von der Beherrschung des weiblichen Körpers erzählt.
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