Ein Glücksfall beschert uns die Lebenserinnerungen von Else Sohn- Rethel (1853 - 1933), herausgegeben und behutsam kommentiert von Hans Pleschinski. Es sind lebendige, beherzte und liberal-kluge Memoiren einer Frau aus dem deutsch-jüdischen, kulturell reichen Großbürgertum, wie sie in dieser Form einmalig sind: Rauschende Feste in Dresden und Düsseldorf, prägende Ereignisse der Belle Epoque und der Gründerzeit, ein Ambiente, in dem alle wichtigen Künstler der Zeit verkehrten, aber auch Krieg und Cholera wüteten. Die Erinnerungen der Else Rethel, die von den Malern August Grahl und Alfred Rethel abstammte und mit dem Maler Carl Sohn verheiratet war, liefern auch ein anschauliches Bild eines deutschen assimilierten Judentums vor der Vernichtung, ein unschätzbares und luftig- heiteres Zeitbild.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.05.2016
Katrin Hillgruber gefallen die von Hans Pleschinski herausgegebenen Lebenserinnerungen der Else Sohn-Rethel, sportliche, lebensfrohe Tochter des Historienmalers Alfred Rethel aus dem liberalen deutsch-jüdischen Großbürgertum zu Dresden. Dass der Herausgeber die in lebendigem Stil gehaltenen Memoiren behutsam durch Kommentare ergänzt zu einem Epochenbild, ist für Hillgruber ein Gewinn. Die früh emanzipierte, weltoffene Frau erscheint ihr so vor einem durchaus zwiespältigen Zeitgeist, in dem der Antijudaismus herrschte. Die vielen Illustrationen im Buch tragen dazu bei, dass Hillgruber diese Epoche sehr nahe tritt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2016
Rezensent Michael Stallknecht hält die von Hans Pleschinski herausgegebenen und kommentierten Memoiren der Else Sohn-Rethel aus dem Jahr 1928 für einen Glücksfall. Auch wenn er politische Ereignisse darin vergebens sucht, ziehen ihn die von Pleschinski mit Zeitgeschichtlichem unterfütterten persönlichen Beschreibungen der Autorin des Alltags in einer großen Düsseldorfer Künstlerfamilie im 19. und 20. Jahrhundert in den Bann. Gut zu erkennen sind für ihn nicht nur die Bande zwischen Großbürgertum und Künstlertum, sondern auch ein weltoffenes bürgerliches Selbstverständnis, wie es der Rezensent heute vermisst, und ein Realismus, der das Leben noch als Ganzes zu fassen vermochte.
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