Über Caspar David Friedrich ist viel geschrieben worden. Und seine sehr eindringlichen, in ihrer Bedeutung aber schwer greifbaren Werke verleiten dazu, ihnen wahlweise einen absoluten oder gänzlich relativen Sinn beizumessen: sie entweder eindeutig religiös bzw. politisch auszudeuten oder ihre Sinnoffenheit diskursiv zu umkreisen. All diese Herangehensweisen versäumen eines: Sie vergessen zu fragen, wie und vor allem mit welchen Mitteln der Künstler im einzelnen Werk Sinn stiftet, wann sich das Werk der Festlegung entzieht und vor allem - mit welchen Gründen. So versucht dieses Buch etwas sehr Altmodisches: Die genaue Naturaneignung der Studien Caspar David Friedrichs zu verstehen und sein ästhetisches Verfahren, das jedem Bild ein abstraktes Ordnungsgerüst gibt, zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2004
Caspar David Friedrich ist bis heute Inbegriff des romantischen Malers. Was genau das aber zu bedeuten hat, dieser Frage geht der Kunsthistoriker Werner Busch bis ins Detail nach. Der Rezensent Martin Meyer referiert und - man weiß nie so genau - ergänzt gelegentlich wohl auch durch eigene Anmerkungen, das Folgende: Gewiss war und blieb die Religiosität Friedrichs, unterm Eindruck des Freundes und Lehrers Friedrich Schleiermacher, naiv. Zugleich aber findet die Erkenntnis der Subjektivität des Glaubens Eingang ins Bild, etwa, das hat schon Brentano erkannt, wenn im berühmten Gemälde "Der Mönch am Meer" der Bruch der Perspektive ins Jenseits sichtbar wird - "indem zwischen Düne und Meer keinerlei Verbindung laufe". Minuziös arbeitet Busch heraus, wie handwerklich präzise Friedrich in seinen Bildern Natur in Symbol und Allegorie umarbeitet. Die "Harmonie", die er erstrebt, ist im Rückgriff auf den "Goldenen Schnitt" genaustens berechnet. Romantisch freilich bleibe auch hier die letztliche Unbestimmbarkeit symbolischer Bedeutungen. Meyer schiebt - mit oder ohne Busch, das bleibt unklar - Exkurse zu Goethe, Georg Friedrich Kersting und manch anderem ein. Es entsteht so der nirgends explizierte Eindruck, dass Busch ein bedeutendes Werk zu Caspar David Friedrich verfasst hat.
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