Aus dem Italiensichen von Andreas Thomsen. Wie das Zuhause unsere Psyche beeinflusst. Drei Zimmer, Küche, Bad - ist damit erklärt, was ein Zuhause ist? Keineswegs, beweist Emanuele Coccia in seiner "Philosophie des Wohnens". Obwohl die Philosophie von jeher eine besondere Beziehung zur Stadt hatte, ging es ihr bislang kaum um Häuser und Wohnungen. Dabei spielt das Zuhause für das menschliche Glück eine entscheidende Rolle. Die Aufteilung der Räume spiegelt und verstärkt soziale und kulturelle Ungleichheiten. Emanuele Coccia zeigt, wie Wohnzimmer, Flur und Küche die Psyche prägen. Meisterhaft verknüpft er das Leben zwischen vier Wänden mit der ökologisch drängenden Frage, wie der Mensch die Welt zu seinem Zuhause macht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.09.2022
Rezensent Thomas Steinfeld scheint ein wenig enttäuscht zu sein, dass Emanuele Coccia seine philosophischen Betrachtungen zum Wohnen und den Orten des Wohnens nicht zurückbindet an andere philosophische Texte von Heidegger oder Cacciari. So sind die Überlegungen zum Badezimmer als "Privates im Privaten", zum Bett als Mittel der Selbsterfahrung und zum Fernseher als Grenzstein zwischen Privatheit und Öffentlichkeit laut Steinfeld eher "freihändig", unsystematisch und für den Leser nicht immer gewinnträchtig. Manchmal indes fällt doch "Brauchbares" dabei ab, gibt der Rezensent zu, so bei Coccias Gedanken zur Stadt, die sich überholt habe, wenn die Menschen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.09.2022
Rezensentin Andrea Gerk durchstöbert zusammen mit dem italienischen Philosophen Emanuele Coccia heimische Keller, Dachböden, Badezimmer und Kleiderschränke und untersucht die Frage, was das eigene oder fremde Zuhause eigentlich ausmacht. Die Einsichten, zu denen der Autor kommt über Häuser, Wohnungen und ihr Eigenleben, scheinen Gerk mitunter überraschend. Wie der Autor persönliche Anekdoten zu allgemeinen Erkenntnissen ausgestaltet, findet Gerk lesenswert. Leider erschwert ihr Coccias "manierierter" Stil zuweilen die Lektüre.
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