Das Deutsche, ein "Gewirk aus Bewegungen, Tönen, Gerüchen, Kopf- und Körperhaltungen, aus Augenblicken, Augenfarben, Mundregionen und Wangenleuchten": so sinnlich hat es sich dem neunjährigen Kind nach dem Umzug aus Jugoslawien dargestellt und gleich, trotz vieler Widerstände, wie ein "wärmendes Kleidungsstück" um sie gelegt. Lag es am Widerstand oder an der Wärme, dass Marica Bodrozic Schriftstellerin geworden ist? In "Sterne erben, Sterne färben" beschreibt sie ihren Weg von den Lücken zu den Wörtern, vom stockenden Atem zum Leben selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2007
Faszinierend findet Walter Hinck diesen Prosaband vor allem seiner fortwährenden Spannung wegen "zwischen der Welt der Herkunft und deren Vermittlung in der deutschen Sprache". Dass Erinnertes bei der als Kind aus Dalmatien nach Deutschland gekommenen Marica Bodrozic dabei nicht zu "Jugostalgija" gerät, weiß Hinck zu schätzen. Ebenso die poetische Qualität dieser Sprache. Deren "Echoraum" macht dem Rezensenten verschlissene Wörter, wie "Herz" und "Stern" "wieder sagbar".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.06.2007
Die 1973 in Kroatien geborene und seit 1982 in Deutschland lebende Schriftstellerin Marica Bodrozic hat in ihrem neuen Prosaband "Sterne erben, Sterne färben? ihr eigenes Ankommen in der deutschen Sprache zum Thema und, wie man aus Burkhard Müllers faszinierter Kritik schließen kann, dem Leser damit ein Geschenk gemacht. Der in seiner Sprache Beheimatete erfahre durch Bodrozic, was sich mit dem Deutschen "alles anstellen? lasse. Schriftbild, Lautgestalt und Semantik verflechte sie zu einer "lingustistischen Anthropologie?. Die ihr gemäße Form sei das kurze Prosastück, so Müller, das jedes für sich Poesie entwickle.
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