Etienne Balibar

Gleichfreiheit

Politische Essays
Cover: Gleichfreiheit
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518585863
Gebunden, 258 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Freiheit und Gleichheit sind die zentralen Werte der Moderne. Mit der Französischen Revolution setzt sich die Auffassung durch, dass sie nur gemeinsam bestehen können: Die Möglichkeitsbedingungen der Gleichheit sind auch die der Freiheit; wird die Freiheit unterdrückt, dann auch die Gleichheit. Dieser politischen Denkfigur spürt der französische Philosoph Étienne Balibar in seinen Studien nach. Er entwickelt dabei eine ganz neue Sicht der Französischen Revolution, die er nicht auf geschichtliche Vorläufer zurückführt, sondern als tatsächlich revolutionäres Ereignis denkt. Dort wird zum ersten Mal die wechselseitige Bedingtheit von Freiheit und Gleichheit behauptet, die Balibar mit dem Begriff "Gleichfreiheit" (égaliberté) zu fassen versucht. Die Idee der Gleichfreiheit wird zum zentralen politischen Motor der Moderne, indem die Menschen gegen die liberale Verkürzung der Freiheit auf Marktbeziehungen Gleichheit oder gegen die sozialistische Bevormundung im Namen der Gleichheit Freiheit einfordern. Mit der Gleichfreiheit ist somit kein bestimmter Endzustand in Aussicht gestellt, sondern ein unauflösliches Spannungsverhältnis in die Welt gesetzt, das immer wieder zur Überschreitung bestehender politischer Ordnungen antreibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.01.2013

Mit großem Interesse hat Rezensent Robin Celikates Etienne Balibars neues Buch "Gleichfreiheit" gelesen. In seinen politischen Essays gehe der französische Philosoph und Marxist der Frage nach, was es heiße, heute Bürger zu sein, berichtet der Kritiker. Balibar konstatiere eine nicht aufzulösende Spannung zwischen konstituierender und konstituierter Macht, so Celikates, der hier erfährt, dass der autonome Bürger nicht nur demokratisch regiert werden wolle, sondern auch auf sein Recht auf Selbstbestimmung bestehe. Dies führe nach Balibar zu einer Politik des Aufstands und einer Politik der Verfassung. Darüber hinaus liest der Rezensent hier interessante Thesen zur modernen Verschränkung zwischen Gleichheit und Freiheit: Die nur "formelle Gleichheit" der Vertragsparteien unter kapitalistischen Bedingungen verschleiere etwa deren faktische Ungleichheit und lasse auch die Freiheit der Arbeiter nicht unberührt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.01.2013

Christof Forderer begrüßt diesen Band mit politischen Essays des französischen Philosophen Étienne Balibar. Diesen charakterisiert er als "illusionslosen Utopisten" und "Radikaldemokraten". Eines der zentralen Themen der vorliegenden Essays ist für ihn das Thema Staatsbürgerschaft. Balibars Konzept des Staatsbürgers setzt nach Forderer nicht an seinem juristisch-formalen Status an, sondern an seiner Fähigkeit zur politischen Intervention und zur gegenseitigen Anerkennung. Die Beziehung zwischen den Bürgern losgelöst von Staat und Nation sieht er dabei im Vordergrund. Forderer verschweigt nicht, dass die Lektüre keine leichte Kost ist. Gleichwohl scheint ihm Balibars offene Neukonzeption des Bürgers als bedenkenswerte Option.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…