Die Sehnsucht nach einer "konservativen Revolution" zieht sich durch die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte. Immer wieder forderten Nationalkonservative und Rechtsradikale die liberale Demokratie heraus. Doch seit der "Flüchtlingskrise" hat sich die Sprengkraft ihrer Argumente enorm verstärkt: Viele Positionen von AfD, Pegida und der Neuen Rechten sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und das Verlangen nach einer heilen Geschichte heizt die Stimmung weiter an. Sind das noch die Deutschen, die glaubten, ihre Vergangenheit mustergültig "bewältigt" zu haben? Präzise führen die Autoren vor Augen, was derzeit auf dem Spiel steht - und wie es dazu gekommen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2019
Hannah Bethke hat Einwände gegen das Buch der Historiker Norbert Frei, Franka Maubach, Christina Morina und Maik Tändler. So sinnvoll sie es findet, den Rechtspopulismus historisch zu verstehen, so zweifelhaft scheint es ihr, wenn die Autoren dazu mit viel Sendungsbewusstsein auffordern und auch noch meinen, damit aktuelle Probleme lösen zu können. Nicht Aufgabe des Historikers, findet Bethke. Darüber hinaus bietet ihr der Band keine neuen Erkenntnisse. Selbst die begrüßenswerte gesamtdeutsche Perspektive auf nationalistische, rechtspopulistische Entwicklungen scheint Bethke nicht neu. Dass die Rechte und ihre Methoden Tradition haben, macht der Band laut Rezensentin gut deutlich, allerdings unter entbehrlicher Moralisierung des Themas.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.03.2019
"Die AfD ist kein Betriebsunfall der deutschen Demokratie". Zu diesem Ergebnis kommen Norbert Frei, Franka Maubach, Christina Morina und Maik Tändler, die in ihren Essays "Zur rechten Zeit", siebzig Jahre deutscher Geschichte analysieren, berichtet Tanjev Schultz. Die vier Historiker der Universität Jena beschreiben die fremdenfeindlichen und nationalistischen Strömungen seit dem Zweiten Weltkrieg und stellen dabei auch heraus, dass es sich dabei mitnichten um ein vornehmlich ostdeutsches Problem handelt, erklärt der Rezensent: was im Osten der institutionalisierte Antifaschismus, waren im Westen die Schlussstrich-Forderungen. Links und rechts der Mauer gediehen ausländerfeindliche Ressentiments und völkische Umtriebe auf spezifische Weise und verbanden sich nach der Wiedervereinigung zu den Pogromen gegen Asylbewerberheime, fasst Schultz zusammen. Gut lesbar und kohärent zeigen die Autoren die nationalistischen Kontinuitäten in der jüngsten deutschen Geschichte auf, machen so gegenwärtige Konflikte begreifbarer und nehmen nicht zuletzt rechten Provokateuren ihre "vermeintliche Originalität", stellt der Rezensent fest.
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