Die Kulturrevolution in China schien die Jahrtausende alten religiösen Traditionen unwiderruflich beendet zu haben. Doch seit einigen Jahren erlebt China eine kaum noch für möglich gehaltene religiöse Renaissance. Florian C. Reiter beschreibt zunächst die erstaunliche Vielfalt von Tempeln, Festen und Gottheiten, die Tradition der Hausaltäre und die Ahnenverehrung, erläutert dann die allen chinesischen Religionen gemeinsamen Grundlagen und führt von hier aus in den Taoismus und den chinesischen Buddhismus ein. Zwei Kapitel zum Islam und zum Christentum in China sowie ein Blick auf moderne Sekten am Beispiel von Falun Gong beschließen den Band.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2002
In seiner "dicht geschriebenen" und "vergleichsweise logisch entwickelten" Monografie "Religionen in China" erkundet Florian C. Reiter die Religionen in China, berichtet Andreas Grabner. Wie Der Rezensent ausführt, ist westliches Denken in Kategorien nach Auffassung Reiters nur bedingt geeignet, Schneisen des Verstehens ins Dickicht chinesischer Spiritualität zu schlagen. Wer also auf Übersichtlichkeit hofft, wird sich nach Ansicht des Rezensenten etwas enttäuscht finden. Zwar lassen sich zweieinhalb Jahrtausende religiös- philosophischen Denkens in China in drei Hauptrichtungen, Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus, untergliedern, erklärt Grabner. "Wie komplex sich diese drei aber in der gelebten Religiosität untereinander und mit regionalen Kulten vermischten und beeinflussten", bemerkt Grabner, "entzieht sich dem Wunsch nach Ordnung." So ist es zu seinem Bedauern angesichts der von Reiter präsentierten Detailfülle fast unmöglich, nicht gelegentlich den Faden zu verlieren. Doch durchhalten lohnt sich: am Ende finde man sich bereichert von der Vielfalt spirituellen Lebens der chinesischen Hochkultur.
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