Mit dem Kriegseintritt der Amerikaner im Frühjahr 1917 nahm der Erste Weltkrieg seine entscheidende Wende: Die Machtbalance verschob sich nach Westen und das Deutsche Kaiserreich verlor den "großen Krieg". Die Schweiz wurde von dieser Entwicklung direkt erfasst. Erstmals in ihrer Geschichte musste sie sich auf eine außereuropäische Macht einstellen. Doch der Kleinstaat lernte rasch: Er wandte sich vom einstmals bewunderten Kaiserreich ab und suchte den Anschluss an die USA als die kommende Supermacht des 20. Jahrhunderts.
Das Buch erzählt die spannungsreiche Geschichte der letzten beiden Kriegsjahre, in denen sich die Schweiz zwischen den Fronten der Weltmächte befand. Im Ringen um die globale Vorherrschaft geriet der Kleinstaat in arge Bedrängnis. Durch den rücksichtslosen deutschen U-Boot-Krieg von wichtigen Lebensmittelimporten abgeschnitten, wandte er sich an die USA als rettende Kraft. Die Bitten einer hochrangigen "Swiss Mission", die eigens über den Atlantik entsandt worden war, wurden erhört: Die USA versorgten das Binnenland mit eigenem Getreide und bewahrten es vor einer Hungersnot. Während Amerika an Strahlkraft gewann, wurde das Kaiserreich immer stärker zur Bedrohung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2017
Über die Schweizer Außenpolitik im Wirtschaftskrieg 1917/18 erfährt Philip Rosin bei Florian Weber Aufschlussreiches. Der Autor kann ihm prägnant vermitteln, wie während der Kriegsjahre die öffentliche Meinung und der Einfluss in der Schweiz sich vom Kaiserreich hin zu den USA verlagerten. Wirtschafts- und Ernährungsfragen nennt der Autor laut Rosin als Gründe, sowie politische Fehler des Reiches und die Wirkung amerikanischer Propaganda, die im letzten Kriegsjahr massiv verstärkt wurde, wie der Rezensent erfährt. Das Buch gibt laut Rosin einen Einblick in die Beziehung zwischen Berlin, Bern und Washington in der Zeit und zeigt, wie gut die Schweiz schon damals vernetzt war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2017
Mit dem Begriff der "Neutralität" ist die Position und das Handeln der Schweiz im ersten sowie im zweiten Weltkrieg nicht einmal annähernd ausreichend bezeichnet, weiß Rezensent Urs Haffner nach der Lektüre von Florian Webers Dissertation zur Rolle des Kleinstaats während des ersten Weltkriegs. Sowohl für die Mittelmächte als auch für die Alliierten erfüllte die Schweiz eine Art "Drehscheibenfunktion", profitierte von der Nachfrage nach Industriegütern und biederte sich früh den Vereinigten Staaten an, von denen sie sich interessantes Know-How und Rohstoffe erhoffte. Es ist ein nüchternes, fast zynisches Fazit, zu dem Weber in seinem Buch kommt. Ob Haffner Webers Argumentation nachvollziehen kann und für lesenswert hält, lässt sich seinem Resümee nicht direkt entnehmen.
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