Franco Supino

Ciao amore, ciao

Roman
Cover: Ciao amore, ciao
Rotpunktverlag, Zürich 2004
ISBN 9783858692696
Gebunden, 280 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Als sich die erfolgverwöhnte Pariser Schlagersängerin Iolanda und der italienische Protestsänger Luigi Mai Mitte der sechziger Jahre in Rom kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Am legendären Schlagerfestival von Sanremo wollen die beiden gemeinsam den großen Coup landen. Der erste Preis ist der frankoitalienischen Diva und dem renommierten Cantautore so gut wie sicher. Doch es kommt anders: Das Stück fällt komplett durch, und noch in derselben Nacht nimmt sich Luigi Mai das Leben ? Der Roman orientiert sich an den Biografien der Sängerin Dalida (1934-1987) und des Liedermachers Luigi Tenco (1938-1967), dessen unerwarteter Selbstmord in Sanremo das Festival bis heute prägt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2024

Einige Ohrwürmer bekommt Rezensentin Anna Vollmer von Eric Pfeil verpasst, der in seinem Buch 100 italienische Hits und ihre Bedeutung für die italienische Gesellschaft versammelt. Dabei offenbart sich der Kritikerin, dass Italienier durchaus auch inhaltlich anspruchsvolle Lieder, in denen sogar Adorno zitiert wird, zu Sommerhits machen können. Es kommen aber auch allerhand Trash-Lieder, tormentoni, vor, die Pfeil aber trotzdem bis aufs kleinste Detail hin analysiert, lesen wir. Leider sind die Kapitel alphabetisch und nicht chronologisch geordnet, so dass man die Lieder nicht in einer "mit der dazugehörigen Spotify-Playlist" rauf und runter hören kann, sondern immer zeitlich springen muss und auch die Entwicklung der italienischen Gesellschaft schwerer nachvollzogen werden kann, moniert die Kritikerin. Insgesamt überzeugt aber diese "Ansammlung an Anekdoten" und löst bei der Rezensentin italienische Sommergefühle aus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2004

Eigentlich hält Sybille Birrer einiges von dem italienischstämmigen Solothurner Autor Franco Supino, der in diesem neuen Roman eher erfolglos ein altes Thema variiert, das sich Birrer bei allem Bemühen nicht erschließen will. Supinos Thema, wohl auch durch seine eigene Herkunft gegeben, lautet nach Birrer: wie konstituiert sich Identität, was bedeuten Fremdsein und Heimat? Diese Frage spiele Supino auch in "Ciao amore, ciao" durch - aber insgesamt altväterlich wirkend, gesteht Birrer, politisch überkorrekt und darum schlicht fade. Dabei habe Supino seine Geschichte genau recherchiert: die Beziehung zwischen der italienischstämmigen Sängerin Dalida und dem "cantautore" Luigi Tenco, die 1967 gemeinsam mit einem politische Inhalte transportierenden Lied beim Schlagerfestival in San Remo aufgetreten sind und dort scheiterten, worauf sich Tenco das Leben nahm. Wozu dieser Ausflug in die Schlagerwelt, wozu diese Anstrengung, die historischen Fakten akribisch zu rekonstruieren, wenn es darum geht, fragt Birrer, einer "Kindheit zwischen zwei Kulturen nachzulauschen"? Das wäre ihres Erachtens auch ohne weniger Aufwand gegangen, unter Verzicht auf eine so bombastische Kulisse, die den Inhalt oder Kern der Erzählung verloren gehen lässt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004

Der Schweizer Schriftsteller Franco Supino lässt in dem, wie Rezensent Perikles Monioudis findet, "gekonnt komponierten" Roman seinen Protagonisten den Spuren der Schlagersängerin Dalida folgen. Dalida, die aus Kairo stammte und viele Jahre in Italien und Frankreich lebte, hatte sich in den sechziger Jahren in den italienischen Liedermacher Luigi Tenco verliebt, der 1967 beim Festival von San Remo in seinem Lied "Ciao amore, ciao" das Schicksal der italienischen Emigranten beklagte. Das Lied fiel durch, und Tenco brachte sich noch in derselben Nacht um. Dalida nachzureisen, so der Rezensent, bedeutet für den Erzähler des Romans, "das eigene und das fremde Leben versuchsweise parallelisieren zu wollen". Mit dem rückwärts gewandten Pathos der Dalida, nicht zornig, allenfalls angewidert, nicht zynisch, sondern frei und "mit herrlichen Trouvaillen in Liebesdingen" schreibt Supino gegen das "falsche Pathos des lebenslangen Heimatverlustes" an - und lässt seinen Roman nicht mit dem Freitod seines Protagonisten enden, so der gerührte Monioudis.

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