Perikles Monioudis

Palladium

Roman
Cover: Palladium
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827003744
Gebunden, 194 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

"Palladium" spielt im hochsommerlichen Berlin. Martin Hilbert, ein Anwalt, dessen Leben sich mehr oder weniger in erfolgreichen Bahnen bewegt, begegnet Katharina, einer jungen Komponistin. Die Liebe zu ihr, deren Leben so voller Hingabe, so zielgerichtet scheint, bringt ihn aus der Balance.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2001

Ein rätselvolles, anspielungsreiches Leselabyrinth, findet Rezensentin Pia Reinacher. Dies "Stück Berlin-Literatur eines Schweizer Autors" hat sie auch deshalb überzeugt, weil die Lektüre anstrengend war. Das Buch sei weit entfernt vom modischen Großstadtroman mit "seiner klischeehaften Kaputtheit". Es gebe knappe Bilder, die dem Leser "stumm den Weg weisen". Manchmal wohl auch durch ein Bildungsdickicht aus Mythologie, Stadt- und Lebensgeschichte, wie man den Handlungsskizzen der Rezensentin entnehmen kann. Eine tragische Dreiecksgeschichte, die den Leser quer durch Prenzlauer Berg und Charlottenburg bis ins Pergamonmuseum führt. Doch die Geschichte, lobt Rezensentin Reinacher "vibriert vom nervösen Sound" der Metropole. Der Ton der Sprache sei "sec" also trocken, wenn nicht unterkühlt. Der Satzbau genau abgezirkelt. Keine helvetischen Anklänge, nirgends. Für Reinacher ist dieser Roman auch Indikator für den Ausbruch einer ganzen Generation junger Schweizer Autoren aus ihrer nationalen Identität.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.01.2001

Klaus Siblewski ist ausgesprochen beeindruckt von Perikles Monioudis Roman über die "Bewegungsgesetze der Liebe", obwohl es eine Weile gedauert hat, bis er einen Zugang zu Monioudis Stil gefunden hat. Zu Anfang stößt er sich an einem vermeintlich banalen Realismus, der ihn an "hochambitionierte Prosaversuche" aus den 1960er Jahren erinnert. Nach einigen Seiten, und dann erst recht beim zweiten Durchlesen, erkennt er aber die sorgfältige Komposition und den "verhalten-feinen Glanz" der Erzählung. Der Roman erzählt, wie sich ein durchschnittlicher Familienvater sich in eine fremde Frau ver- und entliebt. Dabei schafft er es "das Grundsätzliche und grundsätzlich Beunruhigende in der Liebe" festzuhalten, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Eva Leipprand sieht sich in ihrer einfühlsamen Besprechung des in Berlin spielenden Romans, in dem klassische Altertümer eine Schlüsselstellung einnehmen, in die Atmosphäre der griechischen Antike eingehüllt, die ein "sehr ästhetisches Bild" der Stadt vermittelt. Sie bewundert die sprachliche "Kühle" des Schweizer Autors, der von einem erfolgreichen Anwalt, durch eine Bildhauerin aus dem Gleichgewicht seines Berufs- und Familienlebens gebracht, in "ambitionierten Sätzen" und "kühlen, schönen Bildern" berichtet. Zwar wundert sich die Rezensentin darüber, wie "seltsam folgenlos" die erotischen und ästhetischen Erlebnisse des Protagonisten bleiben, der zum Schluss wieder sein gewohntes Leben aufnimmt, und das Erzähltempus des Präsens findet sie etwas mühsam. Doch insgesamt lobt sie die ausgewogene Konstruktion und "Geschlossenheit" des Romans, der "ein schlüssiges Bild" des Protagonisten vermittelt und den "Blick fürs Klassische" öffnet, das allenthalben auf Straßen und Plätzen Berlins zu finden sei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Martin Krumbholz ist beeindruckt von dem "Raffinement" des Romans, der trotz Abstieg in die Niederungen einer "fast banalen Dreiecksgeschichte" um einen zwischen zwei Frauen stehenden Berliner Anwalt, und trotz Ausflüge ins Vulgärpsychologische viel Hintersinniges enthält. Der Schweizer Autor habe mit seinen kunsthistorischen und in die Mythologie ausgreifenden "Exkursen" einen nicht leicht zu durchdringenden "Subtext" zum eigentlichen Romangeschehen geschaffen, in dem jedes Detail von Bedeutung sei. Auch wenn der Rezensent manche nachlässige Formulierung moniert, ist er alles in allem sehr angetan von dem Buch und rät, den Autor "nicht zu unterschätzen".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2000

Wieder so ein konzeptuell interessanter Roman, den der Rezensent Bruno Steiger mit widerstrebender Sympathie bespricht. Denn zur Philosophie dieses Romans eines "in Berlin ansässigen Schweizers griechischer Abstammung" lässt sich viel sagen: da geht es um Bild, Abbild, Spiegelbild, um verzerrte oder verstellte Wahrnehmung, um Lebenskrisen, also schlicht um Existenzielles und nicht etwa um so etwas Oberflächliches wie einen Berlin-Roman. Dort nämlich spielt das Buch, das von einer Lebens- und Ehekrise oder von einem Ausflug ins Museum der versteinerten Gefühle handelt. Steiger kommt erst im letzten Abschnitt seiner Besprechung zur Sache: sprachlich scheint das Buch nämlich spröde und auf artifizielle Weise schlicht zu sein, die Charaktere verblassen zu Rollenträgern, und dennoch zeigt sich der Rezensent von der "strengen Durchführung" des literarischen Konzepts beeindruckt.

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