Mit Fotografien von Ralph Gibson. Aus dem Französischen von Gernot Kamecke. Das Nackte ist ein ureigenes Phänomen der europäischen Kultur. Noch nie haben wir uns in Europa von ihm lossagen können. Das Nackte verbindet alle Länder, Epochen und Künste des Okzidents. In der Skulptur, der Malerei und der Fotografie des Westens, von den alten Griechen über die Renaissance bis zu Ralph Gibson, gehört der Akt zu den größten technischen und theoretischen Herausforderungen der sich wandelnden Künste. Selbst die christliche Kirche hat das Geschlecht zwar verborgen, doch das Nackte bewahrt. Im krassen Gegensatz dazu gibt es einen großen Kulturraum, in den das Nackte nicht eingedrungen ist: China. Das Nackte erweist sich dort als unmöglich. Dieser Gegensatz zwischen der europäischen und der chinesischen Kultur erfordert eine genauere Untersuchung des Phänomens an sich.
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Francois Jullien ist Sinologe und Philosoph. Er studierte Sinologie, um ein völlig fremde Art, die Welt zu sehen, zu beschreiben und zu reflektieren, kennen zu lernen. Nur wer eine andere Perspektive auf die Welt versteht als die, in der er aufgewachsen ist, hat eine Chance, die Welt, wie sie wirklich ist, zu begreifen. In "Vom Wesen des Nackten" stellt sich Francois Jullien die Frage, warum es in der chinesischen Kunst keinen Akt gibt. Eines der wichtigsten Genres der europäischen Malerei hat es in China niemals gegeben. Die Antwort ist: Ziel der chinesischen Malerei war die Darstellung des Zusammenhangs der Dinge, die Schaffung einer Atmosphäre, in der der Felsen ein Lebewesen ist wie der ihn abbildende, darstellende Maler. Es ging also gerade nicht darum, das Abzubildende aus seinem Zusammenhang heraus zu reißen, es zu einem Objekt zu machen. Schön war in der chinesischen Kunst niemals der Gegenstand, sondern dass er verbunden war mit dem Betrachter... Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.10.2003
Rezensentin Julia Encke kann ihre Enttäuschung über dieses Buch kaum verhehlen. Eigentlich hätte Francois Jullien nur ein Vorwort zu den Aktfotos von Ralph Gibson schreiben sollen. Doch zum Bedauern von Encke löst sich Jullien in seinem Essy mehr und mehr von Gibsons Fotos. Man erfahre nichts über den Fotografen und auch nichts über die Entstehung der Aufnahmen. Die Fotografien erschienen dabei kaum mehr als "Illustrationen". Das ist natürlich frustrierend, und so kann sich die Rezensentin nicht so recht für Julliens Essay erwärmen. Viel sei darin von den alten Griechen die Rede, von der Renaissance und davon, dass selbst die christliche Kunst "das Nackte bewahrte", während im Kulturraum Chinas das Nackte ausgeschlossen sei. Warum dieser Essay überhaupt mit Bildern versehen wurde, ist für Encke ein Rätsel. "Die Bezüge", resümiert Encke, "sind rar, und das Gesagte verdeckt die Fotografien mehr, als dass es sie hervortreten ließe".
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