Mit Bertha Pappenheim (1859-1936) begegnet uns eine der großen Gestalten der deutsch-jüdischen Geschichte. Zu Lebzeiten war sie eine Berühmtheit. Als streitbare Feministin gründete sie den Jüdischen Frauenbund und stritt mit Martin Buber über eine Reform des orthodoxen Judentums. Nach dem Ersten Weltkrieg beriet sie den US-Präsidenten Woodrow Wilson und initiierte beim Völkerbund den Kampf gegen den internationalen Mädchenhandel. Als mutige Aktivistin an vielen Fronten dabei, geriet sie dennoch nahezu in Vergessenheit. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Unter dem Kürzel Anna O. lebt Bertha Pappenheim im kulturellen Gedächtnis weiter. Es ist der ihr zugeschriebene Patientenname, unter dem sie - als kapriziöse "Hysterikerin" - zur Primadonna der frühen Psychoanalyse avancierte. Wie passen die zwei Leben zusammen?
Franz Maciejewski nimmt das Versatzstück der "Anna O." als das, was es ist: die schillernde Spitze eines Eisberges. Er macht sich dabei den Umstand zunutze, dass Bertha Pappenheim, schon als Patientin die Erfinderin der "Redekur", eine geniale Erzählerin war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.02.2017
Rezensent Christian Thomas lernt eine kapriziöse wie unerschrockene Frau und Jüdin kennen in Franz Maciejewskis Romanbiografie über Freuds Anna O., die Frauenrechtlerin und Autorin Berta Pappenheim. Als Ichsuche konzipiert, wie Thomas schreibt, bezeugt das Buch sowohl die Selbstironie der Frau wie auch ihre Schnoddrigkeit. Vertrackt ist diese Biografie, meint er, weise das Buch, das die Selbstreflexion der Pappenheim mitunter als Abhandlung eines illustren Geistes zwischen Realem und Fantasie präsentiert.
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