Aus dem Französischen von Ruth Gantert. Wir sind in der Epoche des "drôle de guerre". Der Schriftsteller und Philosoph Walter Benjamin lebt seit einigen Jahren in Paris. 1939, wie alle deutschen Staatsangehörigen, lebt er in einem Camp von freiwilligen Volontären in Nevers. Befreit nach zwei Monaten durch die Hilfe vieler Freunde, kehrt er nach Paris zurück. Aus Angst vor der deutschen Wehrmacht flieht er zuerst nach Lourdes, dann nach Marseille. Geplant war eine Überfahrt mit dem Schiff nach den Vereinigten Staaten. Seine Reise führte ihn aber in die Pyrenäen, bis zur Grenze nach Spanien, Port-Bou, wo er, aus Angst vor der Auslieferung an die Gestapo, Selbstmord beging.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2017
Rezensent Roman Bucheli lauscht auch im dritten Band von Frederic Pajaks Paris-Epos "Ungewisses Manifest", das nun in ebenso dezenter wie exakter Übersetzung von Ruth Gantert auf Deutsch vorliegt, gebannt den Stimmen der Toten. Denn jene vermag ihm der französische Schriftsteller in kunstvoller Verdichtung mit seiner eigenen Stimme vernehmbar zu machen, so dass der Kritiker in der "nüchternen Poesie" der kurzen und zitatreichen Texte neben Pajaks früh verstorbenem Vater einmal mehr auf Walter Benjamin oder Ezra Pound trifft, deren Schicksale der Autor derart raffiniert mit eigenen Reflexionen verwebt, dass der Rezensent glaubt, die Geschichten zum ersten Mal zu hören. Pajaks so "düstere" wie beklemmende, dennoch "unpathetische" Tuschezeichnungen, die laut Bucheli "den Geist des Nachtmahrs atmen", vollenden das Werk, schwärmt der Kritiker.
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