Röhrende Kettensäge, Rockermähne, Rumgezeter: Ende 2023 übernahm Javier Milei die Präsidentschaft in Argentinien. Auch international heißt es über den selbsternannten Anarchokapitalisten oft, er bringe Argentinien nach Jahrzehnten der Misswirtschaft wieder auf Vordermann. Doch woraus besteht sein ultraliberales Schockprogramm? Wer profitiert von, wer leidet unter der Rosskur? Welchen Schaden nimmt die Demokratie? Ist die Kettensäge Ausdruck einer international erstarkenden Ultrarechten in einer Welt des Umbruchs? Und: Wie steht es um den Widerstand in einem Land, das sich einer rebellischen Tradition rühmt? Ausgehend von Mileis Schlachtruf "Es lebe die Freiheit, verdammt!" fragt der Autor, wessen Freiheit gemeint ist. Dafür sprach er mit Expertinnen, Politikern, Aktivistinnen und Journalisten, war auf Demonstrationen, in Suppenküchen oder bei Militärparaden. Er besuchte Lithium- und Kupferminen, das Öl- und Gasfeld Vaca Muerta und Wahlkampfveranstaltungen. Und er fragt, wie es um den Widerstand in einem Land steht, das sich einer rebellischen Tradition rühmt.
Ein parteiisches, aber insgesamt starkes Buch über Javier Milei legt Frederic Schnatterer laut Rezensentin Victoria Eglau vor. Der Autor zeichnet nach, wie der rechte Ultralibertäre an die Macht kommen konnte - die Unzufriedenheit vieler Argentinier mit der repressiven Corona-Politik des Landes spielte eine Rolle, ebenso wie wirtschaftliche Probleme, die unter anderem peronistische Vorgängerregierungen zu verantworten hatten. Außerdem wird deutlich, dass der Politiker, genannt "el loco", kein Einzelkämpfer ist, wie er sich stets darstellt, sondern von Förderern, wie zum Beispiel den Großunternehmer Eduardo Eurnekian, profitierte. Schnatterer hat sich für das Buch lediglich mit einem Milei-Anhänger unterhalten, ansonsten kommen vor allem Kritiker zu Wort, die darstellen, welche Folgen Mileis Politik für das Land hat: der Finanzbranche geht es gut, in der Industrie hingegen fallen Stellen weg, außerdem betreibt der Präsident weiterhin einen Kulturkampf gegen Diversität. Insgesamt versteht Eglau nach der Lektüre besser, was es mit dem Phänomen Milei auf sich hat.
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