Shitbürgertum

ulfposhbooks, Berlin 2025
ISBN
9783982700403
Taschenbuch, 164 Seiten, 18
EUR
Klappentext
In diesem Essay entlarvt Ulf Poschardt einen neuen Sozialcharakter, der unsere Gesellschaft prägt und lähmt: den "Shitbürger". Mit einer unheilvollen Mischung aus Anmaßung und Untertanengeist inszeniert sich der Shitbürger als moralisch überlegener Retter der Welt - verteidigt dabei jedoch vor allem seine eigenen Privilegien und Interessen. Poschardt zeigt auf, wie der Shitbürger in den liberalen, saturierten Gesellschaften des Westens eine beispiellose "Hegemonie" errichtet hat. Diese habe nicht nur Institutionen wie Kultur, Medien und Wissenschaft durchdrungen, sondern Deutschland in eine tiefe Krise geführt - eine Krise, die nur durch radikale Selbstkritik und eine Rückbesinnung auf republikanische Tugenden überwunden werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.02.2025
Rezensent Jens Buchholz amüsiert sich ganz gut mit Ulf Poschardts Abrechnung mit dem linken Akademiker-Milieu. Poschardts Wettern gegen die Ökos im Elefenbeinturm entbehrt nämlich jeder Fachkompetenz, findet Buchholz. Ein Draufhauen auf Grüne, Merkel und die Feinde der Freiheit, ein Anbiedern an Trump, Musk, Milei, die in Sexismus, Gewaltverherrlichung und Antisemitismus ein Recht auf Freiheit erkennen. Alles vorbildlich belegt mit Wikipedia-Einträgen und "interessanterweise" nicht mit Ernst Jünger, sondern mit Foucault, Deleuze und Heiner Müller, staunt Buchholz - schlüssige Argumentation soll der Leser allerdings gar nicht erst suchen, rät er. Der Autor trägt sein Halbwissen um den Hals wie ein Gangsta Rapper den M-Stern.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 23.01.2025
Aus der fiktiven Perspektive eines kommenden postdemokratischen Zeitalters bespricht Rezensent Alexander Cammann dieses Buch, das der Welt-Herausgeber im Eigenverlag herausgegeben hat. Hier bekommen Poschardt-Leser genau das, was sie schon zur Genüge kennen, nämlich eine weitere Streitschrift gegen das linksgrüne Bürgertum, das dem Autor zufolge den Liberalismus verachtet und staatstreu geworden ist. Durchaus erstaunlich freilich, findet der Kritiker, dass Poschardt sich diesmal explizit der Taktiken der Trump'schen Disruption bedient und teilweise im Stil des Futurismus, auch Gestalten wie den argentinischen Präsidenten Milei abfeiert. Nur die AfD kommt schlecht weg, aber das hilft auch nicht mehr viel, insgesamt kann Cammann mit dieser Tirade sehr wenig anfangen, deren Autor sich, obwohl "einflussreicher Diskursplayer", absurderweise als Außenseiter versteht.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.01.2025
Rezensent Konstantin Nowotny stellt sich Ulf Poschardt als "unglücklichen Menschen" vor. Dass das Buch nach der Ablehnung durch den Verlag im Selbstverlag erschienen ist, merkt man ihm optisch und haptisch an - das sieht nach "frisch vom Copyshop" aus, findet Nowotny. Inhaltlich ist es kaum besser: Der Begriff des "Shitbürgertums", das Poschardt sich zu analysieren vorgenommen hat, bleibt sehr unklar und changiert irgendwo zwischen Angela Merkel, allen Grünen und Linken oder wahlweise Günther Grass. Den Weg aus der Misere weisen dem Autor unter anderem Elon Musk und Donald Trump, außerdem führt er Theorien etwa von Heidegger und Nietzsche gegen das verhasste Links-Grüne-Bürgertum ins Feld. Diese "politische Wahnvorstellung" wird auch dadurch nicht besser, dass größere Teile des Buches aus alten Publikationen teilweise Wort für Wort übernommen wurden, seufzt der Kritiker. Was Poschardt wohl jetzt macht, wo sich sein liebster Feind "auf dem Rückzug" befindet und die Musks und Trumps auf dem Vormarsch sind? Denn, mal ehrlich, schließt Nowotny, eigentlich braucht der Autor das "Shitbürgertum" doch ganz dringend für seine "Inszenierung als liberaler Widerstandskämpfer".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.01.2025
Nachdem der Verlag "Zu Klampen" Ulf Poschardts neues Buch zurückgezogen hat, bringt er es kurzerhand einfach selbst heraus und Rezensent Philipp Bovermann kann sich in Poschardts gewohnt polemischer Manier darüber informieren, was das eigentlich sein soll, das titelgebende "Shitbürgertum." 'Eine besonders raffinierte Analyse findet er dabei nicht vor, dafür Feindbilder, nach denen Linke und Grüne vorrangig dazu da sind, um anderen Vorhaltungen zu machen und Verbote aufzustellen und so die eigene Machtgeilheit auszuleben. Bovermann identifiziert bei Poschardt das Bedürfnis, alles, was politisch grün ist, "als moralisierenden Abgrenzungszwang zu pathologisieren". Allerdings kommt das hauptsächlich polemisch daher und weckt beim Kritiker das Gefühl, dass auch der Verfasser selbst nicht ganz weit weg ist vom "moralisch empörten Diskursaufpasser." Statt kluger Analyse liest er hier zusammenfassend vor allem verbissene Polemik.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 18.01.2025
Rezensent Helmut Böttiger wirkt schwer genervt von der Vehemenz, mit der der Profi-Provokateur Ulf Poschardt auch mit diesem Buch wieder "dem Zeitgeist unbedingt seine Duftmarke aufdrücken" muss. Das versuche er vor allem mit dem titelgebenden Begriff des Shitbürgertums, das er zunächst sehr vage definiere, womit er dann aber wohl doch die Linken und Grünen meint, so Böttiger. Wie inflationär und "offenkundig sehr stolz", spöttelt Böttiger, Poschardt diesen Begriff benutze, scheint der Kritiker besonders peinlich vor dem Hintergrund zu finden, dass Poschardt ja selbst in die Phase des maximalen Wohlstands der Bundesrepublik hineingeboren worden und nunmehr "Protagonist einer Medienelite" sei. Vor allem aber scheint ihn zu stören, wie der Autor mit seinem Wettern gegen Grün und Links und "Lobhudeln" von Elon Musk oder Donald Trump die Mode-Haltung des "libertären Autoritarismus" einnehme - und letztlich ein Ego-Gehabe an den Tag lege, das den Autor auch zur Selbstpublikation über Amazon geführt hatte, nachdem der ursprünglich vorgesehene Verlag zu Klampen einen Rückzieher gemacht hatte. Für Böttiger ein Buch, das kaum mehr zu bieten hat als eine ordentliche Portion Narzissmus und Aufmerksamkeitsgehasche.