Ein genauer Blick auf das Wechselspiel von Hoffnungen, Resignation und Aufbruch
in der Generation der Dreißigjährigen:
Am Anfang steht der Entschluss zur Flucht nach vorn: Um in Berlin als Journalistin durchzustarten, nimmt Hannah die Trennung von Jakob in Kauf. Ein Volontariat soll den Einstieg in die Karriere bringen, aber anstatt sich aus ihrer prekären Lage befreien zu können, schlittert Hannah immer weiter in eine Lebenskrise. Alles scheint ihr zu entgleiten, Karriere und feste Verhältnisse lassen auf sich warten, bis eine zufällige Begegnung sie neuen Mut fassen lässt. Doch was daraus wird, ist ungewiss - so wie alles andere auch. Wenigstens gibt es Miriam, Hannahs beste Freundin, und Skype, denn Miriam lebt in Moskau.
Auch so kann sich Freiheit anfühlen: wie ein endloser Fall in die Tiefe. Friederike Gösweiner erstellt ein Psychogramm aus dem Prekariat und erzählt zugleich von den Verhältnissen, vom Leben jenseits aller Sicherheiten, vom Bewusstsein einer neuen "verlorenen Generation".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2016
Stefan Kleie erkennt als Vorbild für Friederike Gösweiners Debütroman Rilkes "Malte Laurids Brigge". Hier wie da leiden die Protagonisten an der modernen Großstadt und ihren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, meint er. Auch wenn in Gösweiners Text um eine in prekären Verhältnissen lebende und arbeitende junge Journalistin Beziehungsprobleme eher küchenpsychologisch verhandelt werden, wie Kleie meint, besticht der Text für ihn doch durch feine Nuancierungen in der vermeintlich schlichten Figurensprache, durch die das Elend der Geschlechterverhältisse, heutiger Beziehungsmodelle und beschnittener emanzipatorischer Selbstbilder aufscheint. Erschütternd und wichtiger als ihre äußere Entwicklung findet Kleie die dauerironische Kommunikation der Figuren und die Evokation ihres ambivalenten Zustands zwischen Zorn und Trauer. Den präzisen Bau des Romans und die Tatsache, dass der Text nicht einfach soziologische Befunde oder persönliche Befindlichkeiten in Literatur überträgt, findet Kleie stark.
Rezensentin Ursula März ist tief beeindruckt von Friederike Gösweiners Debütroman "Traurige Freiheit". Erzählt wird die Geschichte von Hannah, einer jungen Frau, die nach ihrem Studium in Österreich in die deutsche Hauptstadt zieht, um Arbeit als Journalistin zu finden, beschreibt die Rezensentin. Obwohl sie tatsächlich ein Volontariat ergattert, ist danach wieder Sense, und Hannah fällt zurück in ihr prekäres Leben als studierte Arbeitslose. Für die Rezensentin hat Gösweiner ein wirklich großartiges Buch über eine persönliche Krise geschrieben, die aus zu langem Stillstand in den Startlöchern resultiert.
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