Empathie gilt als Grundlage moralischen Handelns - und damit selbst als gut. Sieht man aber genauer hin, erweist sich die Fähigkeit, "sich in andere Menschen hineinzuversetzen", auch als Voraussetzung für gezielte Erniedrigungen und Grausamkeiten. Zudem hat selbst das wohlmeinende Mitgefühl zahlreiche unbeabsichtigte Konsequenzen. Aus diesen Gründen sind es gerade die dunklen, bisher verdrängten Aspekte der Empathie, die auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft in den Blick genommen werden müssen. Fritz Breithaupt lädt seine Leser dazu ein, diese Seiten zu bedenken oder gar an sich selbst zu entdecken, und führt uns dabei von Narzissmus und Nietzsche bis zu den Helikopter-Eltern und Angela Merkels Flüchtlingspolitik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2017
Rezensent Michael Stallknecht hat's ja gewusst: Empathie ist nicht alles. Der Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt liefert ihm dazu die empirischen Beispiele, ohne freilich philosophisch zu systematisieren, wie Stallknecht einschränkt. Die "üppige" Sammlung bestätigt ihm, dass Empathie ebenso zu moralischen wie zu unmoralischen Taten führt. Vergewaltiger als Frauenversteher? Breithaupt liefert die Daten dazu. Sehr überraschend findet der Rezensent das nicht, doch als Basis für weitere Arbeiten scheint ihm der Band gut zu taugen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2017
Für Thorsten Jantschek rennt Fritz Breithaupt mit seinem Buch offene Türen ein. Dass die Empathie ein wünschenswerter Handlungsgrund sei, glaubt doch nicht mal mehr die Kanzlerin, scheint er zu sagen und findet den Versuch des Autors, Empathie und Moral voneinander zu entkoppeln, eigentlich überflüssig. Breithaupts Argumenten folgend, reibt sich der Rezensent bald die Augen. Jedenfalls kennt er kaum einen Philosophen, der das Mitfühlen ins Zentrum einer Moral stellen würde. Entzauberung gar nicht nötig, meint er. Doch dann entdeckt er, dass der Autor diese Trennung nur vornimmt, um die Empathie als Baustein einer ästhetischen Weltsicht zu feiern.
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