Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer. Nach 25 Jahren kehrt Loja Kaplan nach Israel zurück. Sie gehört zur ersten Generation von Kindern, die als Israelis groß geworden sind. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie mit Anfang Zwanzig das Land verlassen, alle Brücken zu ihrer Vergangenheit abgebrochen. Nun ist Davidi, ein enger Freund ihres Vaters, gestorben und hat sie als Erbin bestimmt. In seinem alten Haus im Orangenhain wird die Welt, werden die Menschen ihrer Kindheitsjahre wieder gegenwärtig, Einst und Jetzt schwingen ineinander. Nach und nach entdeckt sie, daß Davidi ihr ein Geheimnis hinterlassen hat: die Geschichte, die ihn und Lojas Vater tragisch verbindet und die sie, die beiden begeisterten Archäologen, immer bemüht waren, im dunkeln zu lassen. Auf der Suche nach ihrer bislang totgeglaubten Mutter fährt Loja schließlich nach Terezin, dem einstigen Ghetto Theresienstadt...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2009
Überaus kunstvoll findet der Rezensent Jakob Hessing diesen Roman, der, wie man erst nach und nach merke, eine Art archäologischer Ausgrabung unternimmt. Die Handlungsgegenwart des im Original bereits 2001 erschienen Werks ist das Jahr 1994 (ein Jahr vor Rabins Ermordung - mehrfach wird, so Hessing, Rabins Name genannt). Die Heldin Loja kehrt nach Israel zurück, ein Mann, der eine Art Zweitvater war, hat ihr ein Haus vermacht unter der Bedingung, dass sie eine Weile darin lebt. In einem "Bewusstseinsstrom" der Erzählerin enthüllt der Roman in Bruchstücken und Fetzen die Vergangenheiten seiner Heldin. Sowohl das Lager Theresienstadt spielt dabei eine Rolle wie die Gründungszeit des Staats Israel. Nur bewundern kann der Rezensent die Subtilität, mit der Avigur-Rotem hier vorgeht und erstaunlich scheint ihm die Gleichzeitigkeit mit W.G. Sebalds stilistisch ganz anderem, inhaltlich aber nahem letzten Werk "Austerlitz".
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