Sichtlich beeindruckt ist Antje Stiebitz von Geetanjali Shrees unkonventionellem Roman "Unsere Stadt in jenem Jahr". Die in einer fiktiven indischen Stadt angesiedelte Geschichte erzählt für sie eindringlich von den zunehmenden Spannungen zwischen Hindus und Moslems, vom Sog der Hasstiraden, von der Explosion religiöser Gewalt, die letztlich auch nicht vor den eher säkularen, intellektuellen Hauptpersonen des Romans Halt macht. Stiebitz attestiert Shree psychologischen Feinsinn und einen genauen Blick, der das religiöse Chaos präzise dokumentiert. Auch die langsame, aber eindrückliche Entwicklung der Charaktere und die Metaphern der Autorin findet sie rundum überzeugend. Das Fazit der Rezensentin: ein Buch, das Einblick in unser "verführbares Inneres" gewährt und zugleich durch seine Poesie beschwichtigt.
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