Herausgegeben von Johannes Klotz und Gerd Wiegel. Mit Texten von Johannes Klotz, Gerd Wiegel, Kai Köhler, Wulf D. Hund und Thomas Gondermann. Deutschland soll sich von der Erblast des Nationalsozialismus befreien und zur Normalität zurückkehren. Solche Erklärungen vernehmen wir aus der Mitte der Gesellschaft, auch von Politikern und Intellektuellen. Deutsche Normalität hat erschreckende Seiten: mindestens 117 Mord-Opfer rechtsextremer Gewalt seit 1990. Die Autoren setzen sich mit den jüngsten Geschichtsdebatten auseinander und analysieren Muster antisemitischer Rhetorik in den Briefen zur Walser-Bubis-Debatte und in Artikeln Rudolf Augsteins.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2001
Reichlich genervt zeigt sich Jochen Staadt von diesem Band, bei dem er sich schon am Cover stört, auf dem etliche deutsche Zeitungen abgebildet sind, die in Flammen aufgehen. "Glühende Verschwörungstheorien" verbergen sich nach Staadt hinter diesem Cover, die den vermeintlichen Antisemitismus zahlreicher prominenter Persönlichkeiten (von Gerhard Schröder bis Rudolf Augstein) aufdecken wollen. Doch weder die angeführten Beispiele für solch einen Antisemitismus findet der Rezensent überzeugend, noch kann er sich für den "Stil linker Germanistikseminare", der in diesem Band vorherrsche, begeistern. Dass gar der Antimilitarismus in der DDR gepriesen wird, findet Staadt darüber hinaus völlig unverständlich, und er erinnert an den damals üblichen Wehrkundeunterricht, in dem schon Achtjährige Handgranaten werfen mussten. Insgesamt bemängelt der Rezensent, dass den Autoren "Schuldzuweisungen (...) locker von der Hand" gehen und sie sich allein "im Besitz des richtigen Bewusstseins" wähnen. Etwas mehr Selbstkritik hätte nicht geschadet, deutet Staadt an.
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