Im Mittelpunkt der persönlichen Wissenschaftsgeschichte von Gerhard Kaiser stehen zwei große Krisenerfahrungen: Kriegsende, Neuanfang in der DDR und Weggang in den Westen sowie die studentische Kulturrevolution 1968. Gerhard Kaiser zählt zu den bedeutendsten deutschen Germanisten. In seinen autobiographischen Aufzeichnungen gibt Gerhard Kaiser ein Gegenbild zum herrschenden Klischee, seine Generation habe sich mit geschlossenen Augen für Restauration und Wirtschaftswunder einspannen lassen und erst die studentische Kulturrevolution von 1968 habe der inneren Demokratisierung den Weg geebnet. Roter Faden der Darstellung ist das Ineinander von Lebenspraxis, politischer Orientierung und wissenschaftlicher Reflexion. Schlaglichter fallen auf die Situation der DDR um 1950, insbesondere auf das Brecht-Theater, auf die Schule der Interpretation in Westdeutschland sowie auf die Kritische Theorie und die Psychoanalyse in ihrer Bedeutung für die Studentenrevolte. Gerhard Kaiser argumentiert leidenschaftlich und provokativ.
Zwei Krisen stehen im Mittelpunkt von Gerhard Kaisers "stilsicheren Erinnerungen", die Rolf-Bernhard Essig wie folgt benennt: Die erste ist die eines "idealistischen Marxisten", der nach dem Krieg in Weimar und Berlin seine Desillusionierung erfährt, die zweite trifft ihn als Freiburger Professor in der Konfrontation mit der Studentenrevolte von 1968. In der Beschreibung seiner Jugendzeit in der DDR legt Kaiser eine große Distanz und Abgeklärtheit an den Tag, er schreibt mit "psychologisierender Nachsicht", meint Essig. Sehr streng werde Kaisers Ton hingegen in der Schilderung der Erlebnisse mit den protestierenden Studenten, deren Bewegung er in letzter Konsequenz einen lediglich "pseudo-idealistischen Grundzug" zuspricht. Rezensent Essig nimmt die "leidenschaftlichen, subjektiven Urteile" Kaisers hin, da sie ausdrücklich nur subjektiven Anspruch vertreten. Essig bezeichnet das Buch als "lesenswertes Korrektiv", vor allem im Bezug auf die 68er-Geschichte.
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