Der Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 1992 in Sevilla behauptete, "La Suisse n'existe pas". Gemeint war, dass es nicht eine Schweiz gibt, sondern viele Schweizen. Allerdings: Vielfalt ist kein Monopol der Schweiz. Was also macht die Schweiz zur Schweiz? Grundrechte, Rechtsstaat, Gewaltentrennung, Wohlstand oder Sozialstaat gibt es auch anderswo. Was die Schweiz zum Unikat macht, zum von den einen zelebrierten, den anderen verteufelten Sonderfall, sind ihre politischen Institutionen. Sie halten die Willensnation voller Gegensätze zwischen Jung und Alt, Arm und Reich, Stadt und Land, Zugewanderten und Einheimischen, zwischen Regionen, Religionen, Sprachen und Kulturen zusammen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2021
Rezensent Johannes Ritter empfiehlt das Buch des Volkswirts Gerhard Schwarz zum besseren Verständnis der Ablehnung einer EU-Anbindung durch die Schweiz. Was die Eidgenossenschaft ausmacht, ihre institutionellen Besonderheiten und ihre Zukunftsfähigkeit erläutert der Autor dem Rezensenten kenntnisreich und macht deutlich, dass das auf Selbstbestimmung fußende Staatsverständnis einer "Ordnung von oben" entgegensteht. Wenn Schwarz sich den Problemen des eidgenössischen Systems widmet, liefert er laut Ritter die Lösungsvorschläge gleich mit. Über die wirtschaftlichen Folgen einer ablehnenden Haltung der Schweiz gegenüber der EU findet Ritter im Buch leider zu wenig.
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