Transit Buchverlag, Berlin 2026
ISBN
9783887474256 Gebunden, 132 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Niko Fröba. Gharbi M. Mustafa erzählt über das Heranwachsen eines kurdischen Jungen, Hamko, im Irak in den 1980er und '90er Jahren. Es ist eine sehr persönliche Geschichte, erzählt aus Hamkos Sicht. Hamko lebt mit seiner Familie in Mossul. Der Tag seiner Einschulung wird für ihn zu einem prägenden Erlebnis, er bekommt deutlich zu verstehen, dass er nicht dazu gehört. Die arabischstämmigen Iraker verachten alles Kurdische. Er wird zur Zielscheibe für Beleidigungen und Schläge und muss lernen, sich zu behaupten. Später dann darf die Familie in die Berge, in die Kurdengebiete im Nordirak auswandern, wo er bald Freunde gewinnt und sich zum ersten Mal zuhause fühlt. Doch auch hier ist niemand vor den Schergen des Regimes sicher. Und dann beginnt der Irak-Krieg, und eine Welt bricht zusammen…Die Geschichte erzählt vom Erwachsenwerden in einer patriarchalen und von Traditionen geprägten Gesellschaft, von Jungenstreichen und der ersten zaghaften Liebe, von der Suche nach der eigenen Identität und dem Ausbrechen aus familiären und kulturellen Zwängen. Gleichzeitig steht diese Geschichte auch exemplarisch für das Schicksal des kurdischen Volkes im Irak unter Saddam Hussein, das bestimmt ist durch systematische Unterdrückung und Gewalt, vergebliche Hoffnung und Vertreibung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2026
Keine Autobiographie, auch keine Autofiktion, sondern ein Memoir ist dieses eindrückliche Buch laut Rezensentin Martina Wagner-Engelhaaf. Denn hier werden Erinnerungen an einen bestimmten Lebensabschnitt mit erzählerischen Mitteln aufgearbeitet: So erzählt Gharbi M. Mustafa in sechs Kapiteln etwa zwanzig Jahre aus dem Leben des jungen irakischen Kurden Hamko. Schon als Kind in der Schule bekommt dieser die Repression gegen sein Volk zu spüren, lesen wir, später darf die Familie in die kurdische Heimat zurückkehren, aber die politische Verfolgung geht weiter. Im Krieg zwischen Irak und Iran soll Hamko dann in der Armee auf Seiten des Baath-Regimes gegen seine eigenen Leute, die Peschmergas, kämpfen. Eine Flucht in die Türkei bringt weitere Entbehrungen und Gefahren. Mustafa erzählt aber auch von einer ersten "studentischen Liebe" und der Rückkehr in seine Heimatstadt Dohuk, resümiert Wagner-Engelhaaf. Die Rezensentin findet viel Gefallen daran, wie uns Mustafa eine Lebenswelt, die in Europa sehr fern wirkt, mit Poesie und Lakonie "aus kurdischer Innensicht" nahebringt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.04.2026
Schwer beeindruckt ist Stephanie von Oppen von diesem Roman des irakisch-kurdischen Autors Gharbi M. Mustafa. Er erzählt in fünf Zeitabschnitten von 1973 bis 1991 die Geschichte des kurdischen Jungen Hamko, der zu Beginn der Erzählung noch ganz klein ist. Hamko kann kein Wort Arabisch als er im irakischen Mossul in die Schule kommt, Kurdisch darf er auch nicht sprechen, sonst bekommt er Stockschläge. Später siedelt die Familie in die kurdischen Gebiete im Irak um, aber auch hier gibt es Gewalt, resümiert die Kritikerin, Hamko muss bei der Erschießung von kurdischen Kämpfern zusehen, die nicht für Saddam Hussein in den Krieg ziehen wollten. Später findet Hamko in diesem Coming-of-Age Roman nicht nur Freiheit, sondern auch die Liebe, wie wir lesen, dann beginnt jedoch der Irankrieg. Von Oppen hebt die "poetische Sprache" und den "verschmitzten Humor" hervor, zum Teil kann sie Referenzen an die mündliche Erzähltradition der Kurden erkennen. Ein bewegender und aktueller Roman, so das Fazit der Kritik.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…