Wir alle denken rassistisch. Mit Extremismus hat das nichts zu tun. Sondern es ist Konsequenz politischer und gesellschaftlicher Strukturen, die unser Denken und unser Handeln formen. Wo Mehrheits- und Minderheitsgesellschaften aufeinandertreffen, bilden sich fast zwangsläufig rassistische Denkmuster und Strukturen - außer man steuert bewusst dagegen. In Deutschland tut man das nicht. Der Rassismus-"Vorwurf": Er wird abgetan. Lieber empört man sich, als eine ernsthafte Debatte zu führen und tatsächliche Probleme zu lösen.Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi analysiert die Spezifika des deutschen Rassismus. Dafür blickt sie zurück bis ins Deutsche Kaiserreich und verfolgt die roten Fäden rassistischen Denkens, die sich von damals bis in die Debatten unserer Gegenwart ziehen. Sie zeigt, wie wir rassistische und spaltende Narrative stetig weitertragen, uns Rassismus immer wieder beibringen - und damit die Demokratie gefährden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2024
Viel zu lernen gibt es aus diesem Buch, versichert Rezensent Till Schmidt. Gilda Sahebi beschäftigt sich darin mit der Frage, wie in Deutschland Rassismus entsteht und perpetuiert wird. Laut Schmidt bleibt sie dabei nicht beim Anekdotischen stehen, sondern zeigt historische Dynamiken auf, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Der Stil des Buches ist kein aktivistischer, Konfrontationen geht die Autorin jedoch keineswegs aus dem Weg, erklärt der Kritiker: so würden etwa die Diskussionen um Clankriminalität und muslimischen Antisemitismus aufgegriffen. Unter anderem mache Sahebi in diesem Zusammenhang deutlich, wie dürftig die wissenschaftliche Faktenlage zu solchen Streitthemen oft sei. Positiv hebt Schmidt hervor, dass Sahebi auch Beispiele eines gelungenen Umgangs mit gesellschaftlichen Problemen beschreibt sowie Positionen, die sich von ihrer eigenen unterscheiden. Insgesamt ist das ein wichtiges Buch, meint Schmidt, auch weil es ihm zeigt, wie eine wirklich inklusive Diskussion über Rassismus, die auch die Perspektive der Betroffenen berücksichtigt, aussehen kann. Nur auf die Frage, wie den Erfolgen der AfD beizukommen sein könnte, hat auch Sahebi keine Antwort, gibt er zu.
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