Aus dem Französischen von Michaela Meßner. Giuliano da Empoli unternimmt in seinem neuen Buch eine Reise zu den Schaltzentren der autokratischen Macht: vom Weißen Haus des erratischen Donald Trump zu den dunklen Tech-Lords des Silicon Valley, wo die Künstliche Intelligenz außer Kontrolle geraten ist, vom Sitz der Vereinten Nationen in New York, wo Hunderte durchtriebene Handwerker der Macht auf engstem Raum ihre Interessen durchzusetzen versuchen, zum Ritz-Carlton in Riad, wo der saudische Kronprinz mit seinen Konkurrenten um die Macht im Staat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurzen Prozess macht. Wie ein Machiavelli des 21. Jahrhunderts schlüpft Giuliano da Empoli in die Rolle eines Analytikers der Macht, der Grausamkeit, Hinterlist und die disruptive Stiftung von Chaos zu den entscheidenden Herrschaftsmitteln unserer Zeit erhebt. Da Empoli kommt zu dem Schluss: Die Stunde der Raubtiere ist gekommen. Können wir ihrer Brutalität und Gier noch entrinnen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.09.2025
Oliver Meiler lernt einiges über die aktuellen politischen Verwerfungen aus diesem Buch, das er im Rahmen eines Gesprächs mit dem Autor eher nebenbei bespricht. Es geht jedenfalls um die Allianz populistischer Politiker mit der Tech-Branche, die, so Meiler mit Giuliano Da Empoli, etwas Karnevaleskes hat, insofern sie Außenseiter an die Macht spült und eine Umwertung aller Werte zufolge hat. Unterfüttert wird diese Umwertung von technischen Entwicklungen, lege Da Empoli weiter dar, als Beispiel dient in dem Essay etwa eine Anekdote über eine Stadt, die eines Nachts vom Verkehrschaos heimgesucht wird, weil der Algorithmus einer Verkehrsapp sich geändert hatte. Da Empoli ist immer dicht dran am Puls der Zeit, freut sich der Rezensent.
Heute sind wir mit disruptiven Technologien konfrontiert, die das Zeug haben, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen, sagt der Schriftsteller Giuliano da Empoli, Autor des Essays "Die Stunde der Raubtiere", im Gespräch mit Michael Hesse von der FR. Eine dieser Technologien sind Drohnen, die den Angriff billig, die Verteidigung teuer machen. Die andere, schlimmer, die KI. Solche Technologien begünstigen Aggressoren. Da Empolis Vergleich ist drastisch: "Als die Konquistadoren an den Ufern Mexikos landeten, standen ihnen mächtige Reiche gegenüber - die Azteken waren eine organisierte, urbane Zivilisation mit Hunderttausenden. Und doch erschienen drei-, vierhundert Männer aus der Fremde mit Feuerstäben, die Tod und Entsetzen brachten, begleitet von Pferden, die den Einheimischen völlig unbekannt waren. Die Azteken konnten das nicht einordnen: Waren das Götter? Aus einer anderen Welt? Ähnlich verhält es sich heute mit Technologieakteuren." Unser Resümee
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