Aus dem Französischen von Dieter Hornig. Nach dem Tod ihres Vaters findet Gwenaëlle Aubry unter seinen Aufzeichnungen ein Manuskript mit dem Titel "Das melancholische schwarze Schaf" und dem Vermerk "à romancer, einen Roman daraus machen". Sie beginnt daraufhin, ihre Erinnerungen an ihren Vater, in alphabetischer Reihenfolge von A wie Antonin Artaud bis Z wie Zelig aufzuschreiben, immer wieder erweitert um Notizen aus dem Manuskript ihres Vaters, der lange Jahre seines Lebens als manisch-depressiver Psychotiker in diversen psychiatrischen Kliniken verbracht hat. Dieser, gewissermaßen, Dialog von Vater und Tochter enthüllt nicht nur die Leidensgeschichte des Vaters, sondern zeichnet die ganze, prekäre Familiengeschichte nach: der Vater, selbst Sohn eines Arztes, ist Jurist an der Universität, seine Frau trennt sich bald von ihm und zieht mit den beiden Töchtern aus, sein Lebensweg schlingert zwischen seinen Vorlesungen, seinen Freundinnen und seinen häufigen Ausbrüchen in die andere, fremde Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2013
Liebe zur Sprache, Liebe zum Vater, das sind die beiden Eckpfeiler, auf denen die Philosophin Gwenaëlle Aubry laut Niklas Bender ihren Roman in 26 Kapiteln aufbaut. Das Buch dreht sich um den Vater der Autorin, einen Juraprofessor, und seinen Kampf gegen den Wahnsinn. Für Bender ein schwieriger Gegenstand, dessen Darstellung der Autorin jedoch mittels eines strengen alphabetischen Schlagwortkatalogs und durch tastendes Vorgehen überzeugend gelingt, "mit dem Feingefühl eines Wortarztes im Noteinsatz". Das Ergebnis ist laut Bender der zu Lebzeiten weitgehend ausgebliebene intellektuelle Austausch mit dem Vater, mitunter durch Überhöhungsfantasien zwar etwas überstrapaziert, schreibt der Rezensent, doch offensichtlich befreiend.
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