Der Islamismus entstand parallel zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus. Sein faschistoides Gedankengut allerdings reicht viel weiter zurück, es ist bereits im Ur-Islam angelegt. Hamed Abdel-Samad schlägt in seiner Analyse einen Bogen von den Ursprüngen des Islam bis hin zur Gegenwart. Die Grundzüge des Faschismus scheinen überall durch; in der Organisationsstruktur ebenso wie in der Religion, die stets über dem Menschen steht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2014
Verärgert reagiert Joseph Croitoru auf dieses Buch Hamed Abdel-Samads und wirft dem deutsch-ägyptischen Publizisten Geschichtsklitterung an der Grenze zur Demagogie vor. Abdel-Samad sucht nach Ähnlichkeiten zwischen den faschistischen Bewegungen im Europa der dreißiger Jahre und islamistischen Bewegungen wie den Muslimbrüdern, zu deren Anhänger er als Student selbst gehört hatte. Croitoru findet die vorgenommene Gleichsetzung grundfalsch: Zwar sei Hassan al-Banna anfangs tatsächlich ein Bewunderer von Hitler und Mussolini gewesen, aber er habe sich von ihnen abgewandt und ihre imperialistische und diktatorische Politik verurteilt, informiert Croitoru, der Abdel-Samad vorwirft, diese Fakten zu unterschlagen. Problematisch findet der Rezensent auch, dass der Autor seine Texte über den islamischen Faschismus in ägyptischen Regierungsblättern veröffentlicht und dabei den Sturz Mursis durch die Militärs als Notwendigkeit zu Rettung der Demokratie legitimiert. Nicht ernst nehmen kann Croitoru, wenn Abdel-Samad schließlich den Monotheismus insgesamt unter Faschismusverdacht stellt.
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