Stefan Meining deckt auf, wie aus alten Waffenbrüderschaften zwischen antisowjetischen Muslimen und Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg in München die erste Keimzelle des politischen Islam im Westen entstand. Bis heute laufen in einer Münchner Moschee die Fäden des westlichen Islamismus zusammen. Eine unglaubliche Geschichte: Ausgediente NS-Bürokraten, Vertriebenenfunktionäre, Geheimdienstler und andere Kalte Krieger päppeln in den fünfziger Jahren in München die Keimzelle des politischen Islam im Westen auf. Muslime, die im Dienst der Wehrmacht und der SS im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion gekämpft haben, sollen nun für Unruhe in den islamischen Sowjetrepubliken sorgen. Aber die Münchner Muslime haben mit dem Kalten Krieg nichts im Sinn: Sie werden zur wichtigsten Filiale von Anhängern der Muslimbruderschaften im Westen und zur Schaltzentrale eines globalen Netzwerkes. Seit Jahrzehnten stehen immer wieder Personen aus diesem Netzwerk unter Terrorverdacht - bis hin zu den Anschlägen vom 11. September. In der islamischen Welt weiß man längst, welche Bedeutung die Moschee in München hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2011
Was der Begriff "politischer Islam" bedeuten soll, ist Wilfried von Bredow nach der Lektüre des Buches "Eine Moschee in Deutschland" nicht so ganz klar. Das ist mehr als misslich, denn nach den Wurzeln dieses Begriffs hatte Stefan Meining eigentlich gesucht. Bredow lobt Meinings Recherchearbeit und den erzählerischen Stil, mit dem er die Geschichte der Muslime und ihrer politische Rolle in Deutschland darstellt. Doch der Zeitrahmen von vor 1945 bis heute scheint Bredow zu groß gewählt und die Geschichte der Muslime in Deutschland zu verzweigt, sodass Meinings Studie in seinen Augen vieles zu stark vereinfache. Statt der Aufarbeitung des Begriffs "politischer Islam" erreicht Meining so ganz unfreiwillig das Gegenteil und unterstützt das "antimuslimische Ressentiment".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.02.2011
Rezensent Martin Zähringer schätzt Stefan Meinings Buch über die erstaunliche Geschichte der Moschee des islamischen Zentrums München. Wie er berichtet, war diese ursprünglich als Anlaufstelle für junge Muslime aus Ländern der Sowjetunion gedacht, die sich im Zweiten Weltkrieg aus Hass gegen Stalin der Wehrmacht und der SS anschlossen. Detailliert beschreibe der Autor die politische und militärische Organisation der Freiwilligen, die Rolle des Ministeriums für Ostgebiete und das muslimischen Personal. Auch die zweite Phase des Zentrums, die schon zur Geschichte des politischen Islam in Deutschland gehört, findet Zähringer in dem Buch erhellend dargestellt. Neben Meinings Buch kann er auch Ian Johnstons Buch "Die vierte Moschee", das dasselbe Thema mit anderen Schwerpunkten behandelt, als ergänzende Lektüre empfehlen.
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